Montag, Juli 21, 2014

Resonanz auf meine aktuellen Bücher "Plädoyer für eine linke Männerpolitik" und "Not am Mann"

Weit davon entfernt, ideologisiert zu sein, bietet Hoffmann eine Perspektive für die Neugestaltung der Geschlechterpolitik. Seine Position kann als eine zutiefst humanistische bezeichnet werden. Er orientiert sich an dem Ideal der universellen Menschenrechte. (...) Obgleich er sich für Männerrechte und für Männerpolitik einsetzt, deutet er an, dass er das Denken in binären Kollektividentitäten (die Männer versus die Frauen) letztlich überwinden möchte. In anderen Worten: Solange Frauen bevorteilt und Männer benachteiligt werden, sollte man sich für Männer einsetzen. Sobald in der Politik ein Gleichgewicht geschaffen wird, d.h. die Belange von Frauen und Männern gleichermaßen berücksichtigt werden, könnten wir ruhig darauf verzichten, von den Frauen und den Männern zu sprechen, und wieder anfangen, Menschen als Individuen zu betrachten.


Cuncti zu "Not am Mann"

Als Befürworter eines dezidiert menschenrechtlichen und individualistischen Ansatzes, geht es Hoffmann (...) nicht um die Ablösung des Feminismus durch eine allein auf Männer gerichtete Politik, sondern um einen integrativen, progressiven und emanzipatorischen Ansatz, der Menschen jedweder Coleur dazu befähigen soll, in Freiheit ein Leben als Mann, Frau, Transgender oder Intersexueller zu führen, befreit von sexistischen Klischees und gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen. (...) Gerade die Linke, mit ihren Werten der Gleichheit und der Gerechtigkeit, so Hoffmanns Plädoyer, sollte sich endlich für eine Politik einsetzen, die sich von der einseitigen Fokussierung auf Frauen löst, und bei der Freiheit und Würde eines Menschen nicht mehr vom Geschlecht abhängig gemacht wird.


Das schwulenpolitische Blog Gay West zu "Plädoyer für eine linke Männerpolitik"

Randvoll mit Fakten und Belegen über männerpolitische Themen oder besser gesagt über Themen, um die sich Männer- und damit auch Geschlechterpolitik kümmern müsste, es aber bislang nicht tut. (...) Gerade die speziellen Kapitel über homosexuelle Männer, Jungen und Männer mit Migrationshintergrund und spezielle Kapitel zum Diskurs über die linke Politszene und deren Verhältnis zur aktuellen, einseitigen Geschlechterpolitik sind dabei bislang relativ selten betrachtete Themenbereiche. Das Buch ist nicht nur für alle geeignet, die sich für eine linke Männerpolitik auseinandersetzen wollen, sondern auch für jene, die einen Überblick über ein absolutes Tabuthema der Geschlechterpolitik aller Parteien, nämlich Nachteile und Benachteiligungen von Jungen und Männern, verschaffen wollen. Es ist damit eine wichtige Ergänzung der ausschließlich frauenpolitisch ausgerichteten Geschlechterpolitik und trägt damit zu einem objektiveren Überblick über die geschlechterspezifische Situation beider Geschlechter bei. Damit kann das Buch sowohl für Einsteiger als auch Kenner der Szene, egal ob in verantwortlichen gleichstellungspolitischen, ehrenamtlichen oder führenden Positionen oder auch nur zu privatem Vergnügen, empfohlen werden.


MANNdat e.V. zu "Plädoyer für eine linke Männerpolitik"

Sind Männer Flaschen, Versager oder Trottel? Gewalttätig, unsensibel und beziehungsunfähig? Und ob, will uns die tägliche Anti-Männer-Propaganda einreden: Ohne Männer wäre das Leben auf der Erde zweifellos besser. Solche und ähnliche gefährliche Lügen hat nun der Autor Arne Hoffmann in seinem neuen Buch Not am Mann aufgedeckt. Das Erstaunlichste daran ist wohl, dass es eine Pflichtlektüre für Männer UND Frauen ist. (...) Für die Beschreibung und Entlarvung dieser strukturellen Gewalt gegen Männer (und damit auch Frauen) kann man Hoffmann gar nicht genug danken. Traurig nur, dass ein Buch im 21. Jahrhundert mit der Mahnung schließen muss: "Menschenrechte kennen kein Geschlecht".


Gerhard Wisnewski zu "Not am Mann"

Die Frauenperspektive auf das Thema "Familie und Gedöns" lebt trotz Gender-Mainstreaming weltweit weiter. Es gibt kaum Studien über die Befindlichkeiten und Lebensumstände von Vätern. Es interessiert wohl nicht. Wenn wir weltweit für Hilfsorganisationen Spendengelder sammeln, dann in der Regel für die Not von Frauen und Kindern. Akribisch hat dies der Autor Arne Hoffmann in seinem aktuellen Buch "Not am Mann" mit zahlreichen Fakten untermauert. An der Feminismusfront zählt man ihn dafür zu den sogenannten bösen "Maskulinisten", den Männerrechtlern. "Väterrechtler" gehören in die gleiche "antifeministische" Kategorie. Diese Spezies erlaubt sich, darauf hinzuweisen, dass Männer wohl nicht die gleichen Probleme haben wie Frauen, dafür aber andere. Das reicht schon aus, um in zweifelhaftes Licht zu geraten.


Birgit Kelle zu "Not am Mann"

Tatsächlich handelt es sich bei Arne Hoffmann um einen engagierten Vertreter der Männer wie Frauen geburtsrechtlich wie gesetzlich zustehenden Gleichberechtigung. Nur eben einer Gleichberechtigung, die nicht einseitig ausgerichtet ist, sondern "integral" wirken soll, Frauen wie Männer gleichmaßen einbinden und in ihren Rechten unterstützen muss. Mit überzeugender Recherchearbeit, Sachlichkeit und fundierter Sachkenntnis deckt [Hoffmann] die individuell und gesellschaftlich wirksamen Gefahren der in Deutschland und weltweit politisch korrekten einseitigen Mädchen- und Frauenförderung auf. Er führt die vielschichtigen Facetten der Jungen- und Männerdiskriminierung und deren Folgen vor. (...) Kein Zweifel, in diesem Werk geht es nicht darum, die Schaukel nun in die andere Richtung zu bewegen und einen Abbau von Mädchen- und Frauenförderung zu fordern. Es geht vielmehr darum, endlich beide Geschlechter gleichermaßen zu wertschätzen und in ihrem Menschenrecht auf Gleichheit und Gleichberechtigung zu fördern. "Not am Mann, Sexismus gegen Männer" ist ein wertvoller Beitrag auf dem Weg zu einem persönlichen wie gesellschaftlichen Umdenken zugunsten echter Gleichberechtigung und zugleich ein sprachlich ausgereiftes Werk mit hohem Lesevergnügensfaktor.


Dr. Karin Jäckel zu "Not am Mann"

Egal in welchem Bereich Mann selbst von Sexismus gegen das Männliche betroffen ist, man wird höchstwahrscheinlich in diesem Buch nicht nur eine gute Aufarbeitung des Themas, sondern dank unzähliger Erfahrungen, Anekdoten, Querverweise und Fussnoten auch weiterführende Informationen zu unzähligen Themen finden, wie sie eben fast nur ein jahrelanger Internet-Blogger (und Selbstbetroffener) wie Arne Hoffmann zusammentragen kann und konnte. Das Buch ist (nicht nur) in diesem Sinne in höchstem Masse modern und am Puls der Zeit, wenn es nicht, wie ich meine, selbst Zeitgeschichte schreibt. Ich bin überzeugt, dies wird einer der ganz grossen Klassiker beim Thema Sexismus gegen das männliche Geschlecht, für alle politischen und unpolitischen Strömungen und Lager.


Amazon-Leserrezension von "Plädoyer für eine linke Männerpolitik"

Außerdem habe ich aktuell eine Reihe von Interviews gegeben, von denen man einige online nachlesen und nachhören kann:

Interview mit der Radio-Sendung "Herzblut"

Interview mit MANNdat e.V.

Interview mit der BILD

Interview mit dem Väteraufbruch für Kinder

Interview mit der Zeitschrift "Stadtgeflüster"

Interview mit Webcritics.de

Einige ältere Interviews mit mir findet man auch rechts auf der Blogroll dieses Blogs unter der Überschrift "Wofür ich stehe".

Montag, Februar 24, 2014

"Not am Mann" und "Plädoyer für eine linke Männerpolitik" erschienen

Dieser Tage erscheinen von mir zwei neue männerpolitische Bücher: Plädoyer für eine linke Männerpolitik im Eigenverlag sowie Not am Mann beim Gütersloher Verlagshaus. Die beiden Bücher bringen auf den aktuellsten Stand, von welchen Problemen Männer besonders betroffen sind und in welcher Weise die Männerrechtsbewegung diese Probleme angeht. Sie sind auf der Grundlage desselben Originalmanuskripts entstanden, "Plädoyer für eine linke Männerpolitik" stellt sozusagen die ungeschnittene Originalfassung mit 416 statt 255 Seiten dar. Darin sind mehrere Kapitel enthalten, die in dem dünneren Buch fehlen ("Warum eine linke Männerpolitik notwendig ist", "Auch Zuwanderer verdienen gute Männerpolitik", "Warum auch Schwulenrechte Männerrechte sind" sowie "Was haben linke Männer (und Frauen) gegen den Feminismus?"). Darüber hinaus enthält "Plädoyer für eine linke Männerpolitik" einen Anhang, der MANNdat, AGENS und die zentralen Blogs und Websites der deutschen Männerrechtsbewegung vorstellt. Beide Bücher sind zum selben Preis erhältlich.

Das Gütersloher Verlagshaus stellt "Not am Mann" mit folgendem Klappentext vor:

Gegen die Tabuisierung eines unbequemen Themas

Es beginnt schon in der Schule: Immer mehr Jungen erfahren dort z.T. extreme Benachteiligungen – für dieselbe Leistung erhalten sie schlechtere Noten. Männer sind häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen, haben beim Sorgerecht oft das Nachsehen und auch ihr Verdienst dürfte schon bald niedriger sein als der der Frauen. Häuslicher und sexueller Gewalt sind sie ebenso ausgesetzt wie massiven Menschenrechtsverletzungen – Tatsachen, die bisher nur Fachleuten bekannt waren. All dem gibt Arne Hoffmann in seinem neuen Buch Raum und plädiert leidenschaftlich für eine echte Gleichberechtigung.

Die Leiden der Männer – überraschende Einsichten in jahrelang geleugnete Tatsachen

Ein Aufruf zu einer zukunftsorientierten Männerpolitik und für eine echte Gleichberechtigung - auch für den Mann


Der Klappentext zu "Plädoyer für eine linke Männerpolitik" lautet:

Aus dem Vorwort:

"Für jemanden wie mich, für den Antidiskriminierungspolitik und Menschenrechte wichtige Themenfelder sind, kommen beide, sobald es um Männer geht, deutlich zu kurz. Das ist vor allem in meinem eigenen politischen Lager, den Linksliberalen, verblüffend, denn Antidiskriminierung und Menschenrechte sind sonst sehr wohl unsere Themen. Meine zentrale These, die ich auch in dem vorliegenden Buch vertrete, lautet: Ein Mensch, der diskriminiert wird, zum Opfer wird oder aus anderen Gründen leidet, verdient Zuwendung und Unterstützung unabhängig von seinem Geschlecht. Wünschenswert und notwendig wäre es, Benachteiligungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen in Bezug auf beide Geschlechter zu erforschen, herauszufinden, was die möglicherweise vielfältigen Ursachen dafür sind und realistische Lösungsstrategien zu entwickeln, die dann in einer gerechten Politik zur Anwendung kommen. Sinnvoll wäre ein integraler Antisexismus, also die Bekämpfung von Sexismus gegen beide Geschlechter statt gegen Frauenfeindlichkeit allein."

Arne Hoffmann ist einer der Vordenker der noch jungen Männerrechtsbewegung in Deutschland. Sein Blog Genderama versteht sich als Sprachrohr des linken Flügels dieser Bewegung und eröffnete die Debatte, wie eine linke Männerrechtspolitik aussehen kann. In diesem Buch werden die Themenfelder dieser Politik umfassender dargestellt: von Antisexismus und Emanzipation über Schwule und Migranten bis hin zu Menschenrechten und einer Kritik insbesondere an den rechten Aspekten der feministischen Ideologie.

Sonntag, November 11, 2012

Politische Manipulation in der Wikipedia (Teil 1: Konkretes)

Seit Mitte 2012 werden Wikipedia-Einträge über politische Streitthemen von einer Gruppe anonymer Akteure so manipuliert, dass sie weiterhin wie gut belegte wissenschaftliche Einträge wirken, in Wahrheit aber nur die Perspektive dieser radikalen Gruppe wiedergeben. Wie man der Blogroll dieses Blogs entnehmen kann, berichten darüber auch andere Blogs und Medien bis hin zum Magazin FOCUS. Eine Korrektur dieser Einträge innerhalb der Wikipedia ist unter anderem deshalb nicht möglich, da einige der Täter in der Online-Enzyklopädie zu Administratoren aufgestiegen sind und Menschen, die die verzerrenden Darstellungen korrigieren möchten, sehr schnell auf unbestimmte Zeit sperren. Da die Wikipedia-Community nichts gegen diese Entwicklung unternimmt, hat inzwischen eine ganze Reihe von Wissenschaftlern zu einem Spendenboykott der Wikipedia aufrufen.

Auch der Wikipedia-Eintrag zu meiner Person ist von diesen Manipulationen betroffen: Weil ich zu politischen Streitthemen in einer Weise berichte, die den anonymen Akteuren nicht genehm ist, werde ich in der Wikipedia so dargestellt, als ich ob ein wissenschaftlicher Scharlatan vom rechten Rand des politischen Spektrums wäre. Tatsächlich dokumentiert nicht zuletzt dieses Blog mit hunderten von Einträgen mein seit vielen Jahren anhaltendes Engagement gegen Rechtsextremismus. Auch mein noch aktives Blog Genderama macht meine Verortung im linksliberalen Spektrum deutlich.

Derartige Attacken finden nicht nur gegen mich statt, sondern seit mehreren Jahren gegen viele, die für eine andere Geschlechterpolitik eintreten, als sie der radikale Feminismus vorsieht: von einem Soziologieprofessor wie Gerhard Amendt bis zu männerpolitischen Vereinen wie MANNdat. Offenbar soll die Wikipedia als Plattform für Rufmord verwendet werden, um Kritiker des radikalen Feminismus zu verunglimpfen und andere davon abzuhalten, solche Kritik überhaupt erst zu äußern – wenn sie nicht riskieren wollen, dass ihre Wikipedia-Einträge ähnlich bearbeitet werden.

In diesem Blogbeitrag geht es mir darum zu erläutern, wie die Täter in meinem speziellen Fall vorgegangen sind, um dieses Zerrbild zu erzeugen. In dem Beitrag darunter folgen einige grundsätzlichere Anmerkungen zur Wikipedia-Problematik, die ja schon zuvor von vielen Beobachtern diagnostiziert wurde und inzwischen nur einen bizarren Höhepunkt erreicht hat.

Mit folgenden Tricks wurde der Wikipedia-Eintrag über mich (Stand vom 11. November 2012) so bearbeitet, dass das gewünschte Zerrbild erscheint:

1. Hinweise auf zentrale Texte von mir, die meine tatsächlich Verortung im linken Spektrum belegen (etwa Vergesst die Rechten und Eckpfeiler einer linken Männerpolitik) werden beständig aus dem Artikel herauszensiert. Bücher von mir, die in liberalen und konservativen Verlagen erschienen sind, werden in dem Artikel erwähnt, Bücher, die in linken Verlagen wie Westend erscheinen, nicht. Auch meine bei linken Zeitungen erscheinenden Artikel werden aus dem Wikipedia-Eintrag draußen gehalten. Ein für die Verleumder besonders ärgerlicher Zeitungsartikel, in dem die "Süddeutsche Zeitung" mein Blog als eines der besten zu Sarrazins Thesen empfahl, wurde ebenso getilgt, wie mein Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit als Blogger, über das etwa hier berichtet wird:

Es gibt eine ganze Reihe hervorragender Blogs (...). All diese Seiten setzen sich sich auf ihre Weise klug und analytisch mit dem neuen Rassismus auseinander. Die Arbeit z. B. des Autors Arne Hoffmann, der zunächst als Einzelkämpfer begonnen hatte, setzt sich inzwischen aus einem kleinen Team aus Muslimen wie Nicht-Muslimen mit der Plattform www.watchblogislamophobie.wordpress.com zusammen. Sie sezieren die rassistische Ansätze in der Gesellschaft, beginnend mit den Sätzen "man darf doch mal sagen dürfen..." bis hin zu Aussagen mancher faschistischer Menschenverachter, die die Muslime zum Abschuss frei geben möchten.

(Den genannten Watchblog gibt es inzwischen aus Gründen, die zu komplex sind, um sie hier auszuführen, leider nicht mehr. Ich habe dieses Thema deshalb in diesem Blog hier allein weitergeführt, bin allerdings mit den beteiligten Antirassisten noch immer gut vernetzt.)

2. An deren Stelle landen in dem Artikel Unterstellungen von feministischen Ideologen, wobei insbesondere zwei als "Studien" herausgegebene Kampfschriften eine Rolle spielen. Die eine ist die Magisterarbeit eines Studenten im Fach Gender-Studies, Hinrich Rosenbrock, die beispielsweise von der anerkannten Soziologin Dr. Heike Diefenbach als Pseudowissenschaft enttarnt wurde. Die andere stammt von dem feministischen Publizisten Thomas Gesterkamp und erfüllt unter anderem durch den Verzicht jeglicher Belege etlicher Behauptungen (bis hin zu wörtlichen Zitaten) selbst die Grundbedingungen wissenschaftlichen Arbeitens nicht. So trifft es beispielsweise nicht zu, dass ich ein bestimmtes Internetforum regelmäßig mit Artikeln aus der "Jungen Freiheit" versorgen würde. Insofern befindet der anerkannte Männerforscher Professor Walter Hollstein, unter anderem Gutachter des Europarates, über Gesterkamp zutreffend:

Angepriesen wird das Dokument von der Friedrich-Ebert-Stiftung als "Expertise", das heißt zu Deutsch: wissenschaftliches Gutachten. Dessen Standards scheinen dem Autor aber gänzlich fremd zu sein. Weder belegt er, wie er im Einzelnen zu seinen Daten und Ergebnissen gekommen ist, noch legt er irgendwelche Auswahlprinzipien für seine Untersuchung vor. Methodische Überlegungen hält er für überflüssig, und inhaltlich setzt er sich nicht einmal ansatzweise mit den Argumenten und Positionen der attackierten Publizisten, Wissenschaftler oder Institutionen auseinander. Stattdessen verunglimpft, denunziert und halbwahrheitet er.

Hollstein beurteilt Gesterkamps Schrift zutreffend als "gefährliche Verniedlichung des wirklichen Rechtsextremismus". Diese Verniedlichung von Rechtsextremismus findet inzwischen auch in der Wikipedia statt, indem dort Texte wie die von Thomas Gesterkamp eine Plattform erhalten. (Auch der Bildungsforscher Michael Klein zerpflückte Gesterkamps Kampfschrift als Pseudowissenschaft.)

Diese Hinweise darauf, dass die angeblichen "Studien" in Wahrheit unwissenschaftlich sind, werden konsequent aus dem Wikipedia-Artikel über mich gelöscht.

3. Die zahlreichen positiven Rezensionen zu meinen Büchern werden fast komplett aus dem Artikel herauseditiert. Als erwähnenswert gilt eine positive Rezension nur dann, wenn sie in einem Medium vom rechten Rand des politischen Spektrums wie der "Blauen Narzisse" erfolgt. Eine positive Rezension desselben Buches im linken "Umweltjournal" wird augenblicklich aus der Wikipedia gelöscht.

4. Verrisse meiner Veröffentlichungen gibt es ausschließlich von den feministischen Idelogen, die ich in meiner Arbeit kritisiere. In der Wikipedia werden entsprechende Hinweise aber ebenfalls regelmäßig herauseditiert; statt von "Feministinnen" ist regelmäßig von "Journalisten" und "Soziologen" die Rede, als ob es sich um Analysen neutraler Beobachter handeln würde. Verunglimpfungen, die ich als Retourkutsche für meine Analysen aus dem Personenkreis erhalte, den ich kritisiere, landen in dem Wikipedia-Eintrag über mich als "wissenschaftliche Einordnung".

5. Offenbar um zu suggerieren, dass meine Veröffentlichungen von der wissenschaftlichen Fachwelt insgesamt abgelehnt würden, wird eine scheinbare Vielzahl von Namen genannt: Ilse Lenz, Rolf Pohl, Hinrich Rosenbrock, Thomas Gesterkamp und Andreas Kemper. Sieht man einmal davon ab, dass mehrere dieser Personen von den Grundsätzen wissenschaftlichen Arbeitens wenig Ahnung haben, verschweigt der Wikipedia-Artikel, dass es sich um eine kleine, eng miteinander vernetzte Gruppe handelt. So ist Ilse Lenz die Lehrerin von Hinrich Rosenbrock, in dessen Arbeit (ohne entsprechende Kennzeichnung) auch Passagen aus ihren Texten einflossen, Rosenbrock wiederum veröffentlicht im selben Autorenkollektiv wie Andreas Kemper und Thomas Gesterkamp und agitiert mit ihm und Rolf Pohl so massiv gegen Männerrechtler, dass Professor Günter Buchholz bereits den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt sieht. Andreas Kemper wiederum arbeitet unter dem Pseudonym "schwarze feder" in der Wikipedia mit und gehört zu jenem Trupp, die bestimmte Einträge wie zum Beispiel meinen so bearbeiten, dass ein möglichst schlechtes Bild entsteht. Besonders dreist ist, dass keiner der genannten Autoren auch nur einen Bruchteil derselben unentgeltlichen Arbeit in die Bekämpfung von Rassismus und Rechtsextremismus gesteckt hat wie ich selbst. Sie instrumentalisieren diese Problemfelder schlicht, um damit politisch Punkte zu machen.

6. Der Artikel ist in sich selbst widersprüchlich. Wird eingangs etwa noch darauf hingewiesen, dass ich bereits in meiner Magisterarbeit zur politischen Korrektheit in Deutschland linke Positionen vertreten habe, heißt es zum Schluss – mit Bezug auf Andreas Kemper – ich versuchte mich "von meinen Anfängen zu distanzieren" und versuchte erst jetzt, mich als links darzustellen, um offizieller Ansprechpartner zu werden. Tatsächlich stelle ich bereits in der Einleitung meines 2001 erschienenen Buches "Sind Frauen bessere Menschen?" klar, "dass es sich die Männerbewegung nicht leisten kann, in irgendeiner Hinsicht konservativ oder gar reaktionär zu sein. Tatsächlich wird immer mehr Männern das eigentliche Problem klar: dass die Frauenbewegung es mit der Emanzipation nicht ernst genug meint" (S. 12). Dieselbe These habe ich seitdem kontinuierlich in zahlreichen Veröffentlichungen zur Geschlechterdebatte vertreten. Zu der wissenschaftlichen Seriosität des "Soziologen" Andreas Kemper ist damit alles gesagt.

7. Es trifft zu, dass mich Axel Dammler in seinem Buch "Rosa Ritter und schwarze Prnzessinnen" in den Zusammenhang mit Rechtsextremismus bringt. Einziges Argument für seine Behauptung ist, dass ich der, so Dammler, "rechtsgerichteten Jugendzeitschrift" Junge Freiheit ein Interview gegeben habe. Nach dieser Logik wären auch Ex-Bundespräsident Roman Herzog, Charlotte Knobloch vom Zentralrat der Juden in Deutschland und zahlreiche andere unverdächtige Personen rechtsextrem, denn sie alle haben diesem Blatt, das Dammler für ein Teeniemagazin hält. Rede und Antwort gestanden. All diese Menschen werden ihre eigenen Gründe für diese Interviews gehabt haben. Wir Männerrechtler hingegen sind fast gezwungen, auch mit Medien des oppositionellen Lagers zusammenzuarbeiten, da linke Medien wie die "taz" eine Berichterstattung über unsere Positionen bis heute blockieren. Vor diesem Hintergrund den Eindruck zu erzeugen "Hoffmann muss rechts sein, wenn er der Jungen Freiheit statt der taz ein Interview gibt" ist Propaganda. Man sieht: Dammler steht mit dem Niveau seiner "Fachkenntnis" Andreas Kemper in nichts nach. Für eine Denunziation über die Wikipedia ist es gerade gut genug.

8. Der Wikipedia-Eintrag verwendet feministische, wissenschaftlich nicht tragfähige Ansichten immer wieder als Grundlage für Tatsachenbehauptungen. Beispielsweise habe ich in einem meiner Artikel auf mehrere amerikanische Studien hingewiesen, die auf eine hohe Rate von Falschbeschuldigungen bei sexueller Gewalt hindeuten. Die bereits erwähnte Feministin Ilse Lenz versuchte diese Studien in einem eigenen Beitrag zu widerlegen, scheiterte aber kläglich. Stattdessen wurden die hohen Fallzahlen an Falschbeschuldigungen in diesem Bereich nach der Veröffentlichung meines Artikels sogar immer wieder bestätigt. Beispielsweise spricht der Staatsanwalt Thomas Hansjakob von geschätzten fünfzig Prozent an fingierten Anzeigen, die ehemalige Oberstaatsanwältin Gabriele Wolff von dreißig bis achtzig Prozent.

Ähnlich unsinnig ist die Behauptung "Die Männerbewegung, die in Deutschland in den 1970er Jahren entstand, ist nach seiner Auffassung ein feministisches Projekt, das die Bezeichnung Männerbewegung nicht verdiene." Quelle ist erneut eine ideologische Broschüre des Wikipedianers Andreas Kemper, in der diese Behauptung aufgestellt, aber ähnlich wie in der "Expertise" Gesterkamps, der im selben Band vertreten ist, nicht belegt wird.

9. Im Vergleich zu diesen deftigen Manipulationen ist der letzte Punkt eine Petitesse: Bei dem angestrengten Bemühen der anonymen Verleumder, mich niederzuschreiben und aus den feministischen Verrissen meiner Veröffentlichungen die heftigsten Passagen auszusuchen und in den Wikipedia-Artikel einzuarbeiten, gibt es auch manchen fast schon komischen Patzer – etwa wenn eine Sabine Wierlemann meine 1996 als Buch veröffentlichte Magisterarbeit als "fragmentarisch" bezeichnet und "bemängelte, dass wichtige Bereiche der feministischen Sprachkritik ausgeklammert würden." Das Thema meiner Magisterarbeit war die Nomination von Menschen mit Migrationshintergrund, also die Mitte der neunziger Jahre intensiv diskutierte Frage, ob es z.B. herabsetzend sei, wenn man Flüchtlinge als "Asylanten" bezeichne. Insofern ist diese Arbeit nicht nur fragmentarisch, sondern sogar erschreckend fragmentarisch, weil darin auch andere wichtige Themen wie Antisemitismus, Klimawandel und Arbeitslosigkeit nicht vorkommen. Die fanatische Suche nach jeglichen Textstellen, die mich in ein schlechtes Licht rücken könnten, wird bei solchen Stellen besonders grotesk.

Die wenigen in dem Artikel noch verbliebenen Lichtpunkte wie z.B. eine positive Rezension eines meiner Bücher stammen von Leuten, denen sich ein mit den Ideologen verbündeter Wikipedia-Administrator nicht schnell genug in den Weg werfen konnte, um sie augenblicklich zu sperren. Ich gehe davon aus, dass auch diese noch störenden Passagen im Lauf der nächsten Monate noch gelöscht werden.

Nachdem die radikalliberale Zeitschrift "eigentümlich frei" über die politische Manipulation der Wikipedia berichtete, wurde auch sie prompt als eine Zeitschrift vom rechten Rand dargestellt. Auch "eigentümlich frei" erklärt inzwischen auf einer eigenen Website Schritt für Schritt, wie die Manipulateure beim propagandistischen Umschreiben des Artikels vorgegangen sind.

All diese Manipulationen machen vor allem eines deutlich: Die Verleumder wissen sehr genau, was sie tun. Es handelt sich nicht um Leute, die schlicht von dem Thema überfordert sind und selbst einem Irrtum erliegen. Sämtliche Manipulationen werden schrittweise so vorgenommen, dass zum Schluss genau das Bild entsteht, das die Täter gerne haben möchten. Und da diese Clique anonym bleibt, ist ihr Risiko bei diesem Rufmord gleich null.

Dabei sind diese Verzerrungen nicht zuletzt eine Botschaft nach draußen: Sobald du es wagst, gegenüber dem Feminismus Kritik zu äußern, werden wir versuchen, dich öffentlich fertig zu machen. Auch andere Kritiker dieser Ideologie, etwa Professor Gerhard Amendt und Monika Ebeling, eine Gleichstellungsbeauftragte, die sich auch für Jungen und Männer einzusetzen begann, haben entsprechende Erfahrungen gemacht.

Natürlich ist in der Wikipedia formell untersagt, dass pseudowissenschaftliche Texte als Belege für Tatsachenbehauptungen dienen.

Ebenso ist in der Wikipedia formell untersagt, dass parteiische Texte als Belege herangezogen werden. (Das Minimum wäre, darauf hinzuweisen, dass diese "Belege" aus parteiischen Quellen stammen.)

Witzigerweise steht sogar ganz oben auf der Diskussionsseite zu meinem Artikel klipp und klar auch folgende Regel der Wikipedia: "Eventuelle strittige Angaben, die nicht durch verlässliche Belege belegt sind, müssen unverzüglich entfernt werden, insbesondere wenn es sich möglicherweise um Beleidigung oder üble Nachrede handelt."

Formell sind all diese Regeln also klar und deutlich.

Es kümmert sich nur niemand darum, dass sie durchgesetzt werden.

Politische Manipulation in der Wikipedia (Teil 2: Grundsätzliches)

Dass die Wikipedia als politische Waffe und Instrument der Manipulation bei umstrittenen Themen benutzt wird, ist nicht neu. Dass sie als Plattform dient, um Menschen, deren Meinung die Autoren der Wikipedia nicht teilen, zu verleumden und zu denunzieren, ebensowenig. Mehrere andere bekannte Persönlichkeiten sind bereits Opfer dieser Praktik geworden. Wenn statt politischen Strömungen allerdings Menschen fertiggemacht werden sollen, ist der Übergang zum Cybermobbing, wie es in anderen sozialen Netzwerken stattfindet, fließend. Vor einigen Wochen berichtete etwa der FOCUS über dieses zunehmende Problem:

Sie sind bösartig und verbreiten sich rasend schnell im Netz: Falsche Anschuldigungen zerstören Beziehungen und Karrieren. Die Opfer können sich kaum wehren. (...) Laut Umfrage des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik wurden 12 Prozent aller Internet-Nutzer bereits Opfer übler Nachrede im Netz.

(...) Die Lügen und Schmähungen sind vielfältig. "Am häufigsten werden die Leute als Betrüger, Kinderschänder oder Ausschwitz-Leugner verunglimpft", erklärt Christian Scherg, der Opfer von Online-Denunziationen berät. (...) Gerade Arbeitgeber googeln ihre Job-Aspiranten. Der Suchmaschinen-Koloss Google spült dabei jede noch so alte Rufmordstory wieder an die Web-Oberfläche.

Zwar haben weder Google, Facebook noch das Internet das Gerücht erfunden – Klatsch gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Aber anders als in der analogen Welt kann der Verleumdete nicht persönlich bei missgünstigen Kollegen vorstellig werden, um Lügenmärchen zu parieren, oder bei einer Zeitung die Gegendarstellung einer Falschmeldung durchsetzen.


Der FOCUS-Artikel thematisierte vor allem Google als Transportmittel für derartigen Rufmord. Wie sich aktuell zeigt, ist die Wikipedia nicht weniger problematisch. Auch hier bleiben die Täter anonym, auch hier lassen sich keine Gegendarstellungen durchsetzen. Wer bei den verleumderischen Artikeln richtigstellend einzugreifen versuchte, wurde immer wieder flott auf Lebenszeit gesperrt. Gleichzeitig genießen die Täter offenbar Schutz von Administratoren der Online-Enzyklopädie. In einer Mail, die mir ein Beobachter dieser Vorgänge vor kurzem zusandte, berichtet er folgendes:

Wenn in Wikipedia die geltenden Regeln auch tatsächlich von den Admins durchgesetzt würden, wäre die Tatsache, dass drei Leute bestimmte Artikel dominieren, kein großes Problem. Man könnte sich dann gegen deren Vandalismus durch die Erstattung einer entsprechenden Meldung zur Wehr setzten. Faktisch ist es aber so, dass Meldungen in Bezug auf Vandalismus von SanFran Farmer und Konsorten nach den Erfahrungen der letzten Zeit grundsätzlich abschlägig beschieden werden.

(...) Nach meinen Beobachtungen der letzten Zeit ist es bei den Admins mittlerweile Mode geworden, bei Verstößen von bestimmten Benutzern (SanFran Farmer, Elian, Fiona Baine, Jos Fritz) grundsätzlich keine Sanktionen auszusprechen. Die vier haben speziell bei Artikeln mit Feminismusbezug praktisch Narrenfreiheit. Sie können dort tun und lassen was sie wollen.

(...) Der Weigerung von Admins, bei Verstößen gegen Wikipediaregeln Benutzer entsprechend zu sanktionieren, entspricht auch deren Praxis, auf Zuruf von SanFran Farmer, Elian und Fiona Baine sofort jeden neuen Benutzer zu sperren, der nicht deren feministisches Weltbild teilt. Das führt im Ergebnis dazu, dass andere Meinungen als die der drei genannten längerfristig nie in bestimmten Artikeln zur Geltung kommen können. Praktisch ist es so, wie es zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft war: Nachdem sie an die Macht gekommen waren, gab es in der Reichtagswahl im November 1933 nur noch eine nationalsozialistisch dominierte Einheitsliste. Alle anderen Parteien waren (ähnlich wie mittlerweile viele Benutzer bei Wikipedia) "gesperrt". Nun ist der Vergleich mit der NSDAP sicherlich starker Tobak. Dennoch habe ich den Vergleich nicht ohne Bedacht gewählt: Wer rigeros dafür sorgt, dass andere Auffassungen (die sogar den Wikipediaregeln entsprechend gut mit Sekundärliteratur belegt sind) in Artikeln generell nicht mehr zur Geltung kommen können, handelt nicht anders als es die nationalsozialistischen Machthaber zwischen 1933 und 1945 oder die stalinistischen Betonköpfe zur Zeit der UDSSR getan haben. Auch der Vergleich mit der UDSSR hat seinen Grund: Schließlich kommen in einem ihrer Nachfolgestaaten, nämlich Russland, seit längerer Zeit in den von Putin dominierten Medien auch nur noch regimtreue Inhalte vor. Insofern unterscheiden sich bestimmte Bereiche von Wikipedia nicht wirklich von Rundfunk und Fernsehen im derzeitigen Russland: Es gibt nur noch eine Meinung: entweder die des Feminismus bei Wikipedia oder die von Putin in Russland. Insofern ist die Gleichschaltung in beiden Fällen perfekt gelungen.


Wikipedia war ursprünglich nicht als Mittel gedacht, mit dem anonyme Menschen Leute verleumden können, die sie nicht mögen. Leider hat es solche Denunzianten mit politischen Motiven aber immer schon gegeben, und es wird sie auch immer geben. Wir kennen sie aus dem Nationalsozialismus, wir kennen sie aus dem Sozialismus der DDR und jetzt agieren sie im Dienste der feministischen Ideologie. Ihre Motive sind häufig dieselben: Ihnen ist zum Beispiel ihre Ideologie wichtiger als alles andere. Oft handeln sie auch aus narzisstischer Wut. Oder sie genießen einfach das Gefühl, auf diese Weise Macht über andere Menschen zu haben und ihnen schaden zu können.

Man muss sich hier vor Augen führen, dass die Manipulation von Wikipedia-Einträgen über politisch missliebige Personen und Strömungen seit Monaten erfolgen und die entsprechenden Einträge fast rund um die Uhr im Auge behalten werden, damit fast jedes Einfließen entgegengesetzter Ansichten augenblicklich revertiert wird. Diese fanatische Verbissenheit, mit der diese Hassattacken erfolgen, weist auf eine ausgeprägte Persönlichkeitsstörung hin, wie sie der bekannte Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz in seinem Buch Die narzisstische Gesellschaft beschreibt:

Manche leben ausschließlich davon, sich über andere Menschen aufzuregen, ihnen Schlechtes nachzusagen, sie zu beschimpfen und lächerlich zu machen. Dabei spielt mittlerweile auch das Internet eine unheilvolle Rolle. Mediale Distanz und Anonymität stellen offenbar eine große Verlockung dar, die eigene seelische Verletzung projektiv an andere weiterzugeben. Kein Mensch hätte Interesse, andere zu verfolgen und schlechtzumachen, wenn er nicht selbst auf narzisstischer Kränkungswut wie auf einem Pulverfass sitzen würde. (...) Wenn andere "schlecht" sind, ist man automatisch relativ "besser", das gehört zur notwendigen Regulation der Selbstwertes, ermöglicht aber gerade keine Befreiung.


Mit welchen Regeln man den Einfluss von Ideologen, die sich in der Wikipedia immer häufiger gegen tatsächliche Experten durchsetzen, eindämmen könnte, hat der Medienanwalt Markus Kompa hier dargelegt. Sie werden von den Verantwortlichen der Wikipedia allerdings nicht aufgegriffen. Stattdessen unterstützen die Wikimedia-Stiftung, die in Deutschland die Wikipedia betreut, sowie andere einflussreiche Wikipedianer das Cybermobbing durch Untätigkeit und Blaming-the-victim implizit, statt dagegen klar Stellung zu beziehen. Der Wikimedia-Vorstand, Pavel Richter, bezeichnete gegenüber der Berliner "taz" nicht das Cybermobbing durch die Wikipedia, sondern die Kritik daran als "erschreckend". Die Wikipedia-Projektmanagerin Nicole Ebber erklärte in einem Blog des politischen Lagers, aus dem heraus das Cybermobbing stattfindet, also dem feministischen: "Wir sind inhaltlich mit euch auf einer Linie und schätzen es sehr, dass ihr euch klar und deutlich einbringt. (...) Wollen wir mal einen Hangout machen oder ein Treffen?" (Vergleichbare Angebote gibt es an die Opfer des Cybermobbings nicht.) Das Wikimedia-Support-Team antwortet Menschen, die von Verleumdungen in der Wikipedia betroffen sind, man solle auf der Diskussionsseite des entsprechenden Eintrags mit den Tätern einen "Kompromiss" aushandeln, und erklärt sich ansonsten für nicht zuständig. Und in den Wiki-News erklärte eine Anonyma mit dem Nick "Die Sengerin", Kritik an Cybermobbing und politische Manipulation durch die Online-Enzyklopädie düfe nur von "verdienten Autor_innen" geäußert werden.

Juristisch gegen Verleumdungen in der Wikipedia vorzugehen, erscheint derzeit ebenfalls als aussichtslos. Rechtsexperten sprechen hier inzwischen von einer Wiki-Immunity, die auch nachweisbare Falschbehauptungen schützt:

Faktisch genießt eine nicht von den "Wikipedianern" selbst gelöschte/korrigierte Verleumdung in einem Eintrag im deutschsprachigen Teil der Wikipedia, obwohl sie von einem Deutschen gegen einen Deutschen gerichtet ist, damit die "Wiki-Immunity" – obwohl dieses der rechtlichen Wertung sowohl des US-amerikanischen, als auch des deutschen Rechts, eigentlich widerspricht.


Der Medienanwalt Markus Kompa knüpft an diese Darlegungen seines Kollegen an:

Wikimedia e.V., die sich in der Wikipedia an allen Ecken und Enden als Ansprechpartner darstellen lassen, mit dem Erfolg der Wikipedia brüsten und stellvertretend für diese Preise entgegennehmen, wollen sich nicht zu einer Verantwortung bekennen. (...) Journalisten werden etwa mit der "Begründung" trotz Akkreditierung bei Wikimedia-Veranstaltungen ausgesperrt, sie seien ja "in der Wikipedia gesperrt". Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Wortführer des Vereins mit mit denen der Community weitgehend identisch sind, alle wichtigen Schlüsselpositionen und Rechte von Wikimedia-Soldaten kontrolliert werden.

Das wäre ja nicht weiter tragisch, würden die Wikinger aus Selbstachtung und Reife die naturgemäß auftretenden Probleme mit Weitsicht, Augenmaß und Fairness lösen. Mag es da auch den ein oder anderen Lichtblick geben, so haben die Wikimedia-Herrschaften, mit denen ich bisher das Vergnügen hatte, wenig mehr Persönlichkeit erkennen lassen als trotzige Pubertierende mit Corpsgeist. Und da die Wikimedia durch die Spenden über bemerkenswerte finanzielle Möglichkeiten verfügt, Geld jedoch bekanntlich den Charakter verdirbt, halten die sich für unantastbar.

(...) Nach den Jahren des Aufbruchs haben die meisten Autoren der Wiki-Community längst den Rücken gekehrt. Die einstige Idee des kollektiven Wissens wird heute von einer überschaubaren Clique untereinander heftig zerstrittener, provinzieller Streithanseln dominiert, die ihre Intriganz allenfalls dann überwinden, wenn es gegen Leute von außen geht.


Die Gefahr einer "Wiki-Lynchjustiz" durch öffentliche Diffamierung, wenn der Angegriffene eine Minderheitenposition vertritt, sei sehr real, erklärte der Wikipedia-Experte Jaron Lanier dem SPIEGEL. "In der Wikipedia-Welt bestimmen jene die Wahrheit, die am stärksten besessen sind." Dahinter stecke der Narzissmus von Leuten, die "der Welt ihren Stempel aufdrücken wollen, (...) aber gleichzeitig zu feige sind, ihr Gesicht zu zeigen. (...) Die verstecken sich hinter falschen, erfundenen Identitäten. Wer unsichtbar ist, ist unangreifbar. Die Wahrheit hingegen bekommen Sie nur mit Verantwortlichkeit".

Auch aufgrund der aktuellen Ideologisierung der Wikipedia, die ich bis hierhin anhand der Darstellung meiner Person beispielhaft geschildert habe, haben viele altgediente Wikipedianer erklärt, sich aus der Online-Enzyklopädie zurückzuziehen, solange sie derart leicht als Plattform für Diffamierungen und Cybermobbing genutzt werden kann. Die Zahl der Menschen, die bei so einem Projekt mitarbeiten möchten, sinkt und sinkt ohnehin schon seit längerer Zeit. Das dürfte den Tätern allerdings herzlich egal sein: Der Erhalt einer vernünftigen Wikipedia ist das Letzte, worum es ihnen bei ihren Aktionen geht.

Ich werde auch nach solchen Diffamierungskampagnen, wie sie derzeit gegen mich stattfinden, kritische Artikel veröffentlichen, für die ich trotz derartiger Erfahrungen im Gegensatz zu den Manipulateuren mit meinem Namen stehen kann. Immerhin ist es mir gelungen, in den letzten Monaten auch eine breite Aufklärung über die geschilderten Praktiken anzustoßen. In Diskussionsbeiträgen, in denen auf der Grundlage der Wikipedia behauptet wird, dass die Männerbewegung politisch rechtsaußen stünde, kann man in Zukunft einen Link auf Blogbeiträge wie diesen legen und sich so langwierige Diskussionen sparen.

Sonntag, März 11, 2012

Postscriptum und Update

Über ein halbes Jahr später hat sich die Situation verändert.

Nachtrag vom 30. März: Neu an den Start gegangen ist dieser Tage auch die Website Cuncti, die die Geschlechterdebatte mit Informationen und Perspektiven beleben soll, die normalerweise ausgeblendet werden. Als Beispiele können vielleicht zwei meiner eigenen Artikel dienen: Massenvergewaltigung, Versklavung, Gendercide sowie Eckpfeiler einer linken Männerpolitik.

Sonntag, August 21, 2011

Warum ich nicht mehr blogge

In den letzten Tagen häufen sich ein wenig die Anfragen, warum ich die Arbeit an diesem Blog vor einigen Wochen eingestellt habe. Anstatt jedem einzeln zu antworten, geht es vermutlich schneller, wenn ich hier das Wesentliche kurz zusammenfasse. Nachdem in den letzten Monaten mehrere Männerrechtler-Blogs sang- und klanglos verschwunden sind ("Der Maskunaut", "Romans roter Mann", "Leutnant Dino") wären ein Abschiedsworte zur Abwechslung vielleicht mal ganz nett.

Dabei wurde schon in den Leserbriefen, die ich in diesen beiden Blogeinträge veröffentlicht habe, angesprochen, was mir als eines der Hauptprobleme der Männerrechtsbewegung im Internet erscheint. Meine Leser sehen nicht dieselbe Notwendigkeit, sich diplomatisch auszudrücken, wie ich und sind insofern erfrischend deutlich. Da diese Zeilen, wenn dieses Blog in Zukunft aufgerufen wird, ganz oben stehen werden, zitiere ich die zentralen Passagen aus beiden Leserbriefen noch einmal:

Es hat sich bereits vor mehreren Jahren gezeigt, daß es – am Anfang wenige, dann immer mehr – Männer in der Männerbewegung gab, denen rechtes Gedankengut und rechte Gesinnung um ein vielfaches Wichtiger war, als die Männerbewegung selbst. Aus diesem Grund war es für sie auch wesentlich, sich erstmal ab- und dann später auszugrenzen. Was links und später "Mitte" erschien, durfte nicht zur Männerbewegung gehören. Ob dies der Männerbewegung selbst nutzte oder gar schadete, war nebensächlich, da diese nur ein kleiner Teilbereich ihrer Interessen war. Rechte Gesinnung war die Hauptsache. Dass diese nun vor einem Scherbenhaufen stehen ist interessant, da es mir selbst nie in den Sinn gekommen wäre, die Ereignisse in Norwegen mit der Männerbewegung in Zusammenhang zu bringen. Sowas fällt doch erst mal nur schrägen Gemütern wie Alice Schwarzer ein. Schnell aber zeigte sich: Der Nerv der Pestschreier war getroffen, das Gewissen (offensichtlich doch noch rudimentär vorhanden) rührte sich, Pflichtbekundungen folgten. Schuldige mußten her, die eigene Gesinnung konnte es doch nicht sein.


Auch mein anderer Leser, der früher in den Foren ebenfalls sehr aktiv war, nennt das Wesentliche beim Namen:

Ich weiß nicht, wie vielen anderen es wie mir geht, die einfach keinen Nerv mehr haben, sich diese Diskussionen zuzumuten, und deswegen schweigend dem Elend zusehen (es hat durchaus was mit meinem Meiden der Männerforen und auch dem Rückzug von Manndat zu tun – zumindest für den Moment), aber wenn ich vergleiche, was für Debatten es früher gab, wie argumentiert wurde und wer sich nun alles zurückgezogen hat und nirgendwo mehr auftaucht, glaube ich, dass es einige Leute mehr geben muss, die so denken. (...) Das Traurige ist, dass ich irgendwie in gewisserweise durch das Männerrechtsthema gebunden bin; aber gleichzeitig zeigen diese Foren, von ein paar wenigen Ausnahmen, mit wem und welchen Ansichten man dann arbeiten müsste. Das funktioniert für mich nicht mehr.


Das sind keine Einzelstimmen. Ich erhalte eine ganze Reihe solcher Mails. Übrigens auch von demjenigem, der das männerpolitische Diskussionsforum "Wieviel 'Gleichberechtigung' verträgt das Land?" vor über zehn Jahren gegründet hat. Er schrieb mir vor wenigen Wochen:

Es zeichnete sich schon damals ab, dass ein Teil der Forumsteilnehmer eine Gangart bevorzugte, die ich nicht mittragen konnte und wollte. An solchen Stellen war es dann immer wohltuend, wenn unter anderem von Dir ein inhaltlich fundierter und differenzierter Beitrag auftauchte, der zur Versachlichung der Debatte beitrug. Ich will nicht ausschließen, dass ich mich zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht wieder der Männerbewegung anschliesse, aber momentan steht mir offen gestanden nicht der Sinn danach (was nicht zuletzt auch an den Radikalinskis liegt, die sich in der Szene tummeln und berechtigte Anliegen streckenweise zur Farce werden lassen).


Eine Radikalisierung der Internet-Männerszene zu unterbinden erschien damals noch eher möglich als heute.

In den letzten Jahren allerdings ging der Massenexodus der sachlichen Stimmen aus dieser Szene kontinuierlich weiter. Gemäßigte Männerrechtler, die noch vor einigen Monat in dem Forum "Wieviel 'Gleichberechtigung' verträgt das Land?" Stammposter waren – selbst solche mit Moderatoren-Rechten wie "Mirko" und "Gobelin" – haben sich inzwischen kopfschüttelnd verabschiedet. Manche äußern mir gegenüber ihre Frustration über die aktuelle Entwicklung. Ich war einer der letzten, der über zehn Jahre hinweg den Internetauftritt der Männerrechtsbewegung begleitet hat, weil für mich die Anliegen dieser Bewegung besonders wichtig sind. Aber auch für mich ist irgendwann eine Grenze erreicht.

Manchmal sind es nur wenige Tropfen, die das Fass endgültig zum Überlaufen bringen. So gab es kurz vor meinem Abschied aus der Internet-Männerszene es im Internetforum von MANNdat eine befremdliche "Diskussion", aus der ich nur einmal einige Schlaglichter zitiere:

Zunächst kam MANNdat-Mitglied Andreas Kraußer unvermittelt, wenn auch im sachlichen Tonfall, auf seine Wertschätzung für Thilo Sarrazin zu sprechen:

Das Buch von Sarrazin ist eine treffende Analyse, unaufgeregt und sachlich geschrieben. Sie enthaelt im Uebrigen nur, was den Fachkennern der Sozialdebatte seit langem gelaeufig ist. Sarrazins Verdienst ist es, dies zusammen getragen und fuer ein breites Publikum aufbereitet zu haben, sodass ein breiter Diskurs nicht mehr zu unterdruecken war.


Meine Anmerkung, fundierte, seriöse Feminismuskritik fände ich genauso in Ordnung wie fundierte, seriöse Islamkritik stellte für einen Anonymus mit dem Nick Richard T. eine unzumutbare Provokation dar:

Mich würde interessieren wer es bestimmt was "fundierte seriöse Kritik" ist. Legt es Arne H. fest oder das noch zu installierende Wahrheitsministerium? Kann ich als Nichtakademiker fundiert kritisieren? (...) Mehr und mehr hält in allen Debatten die Moral Einzug. (...) Es soll ja nicht mehr diskutiert werden. Zumindest nicht vom Pöbel. Diskutieren dürfen nur die die fundiert und sachlich kritisieren können. Solche wie Arne H. Der Rest hat das Maul zu halten. Und dann wundert man sich, daß man selber niedergemacht wird.


(Das wird jetzt viele schockieren, aber ich finde es tatsächlich vernünftig, dass man, wenn man von einem Thema so gar keine Ahnung hat, einfach mal dazu die Klappe hält. Natürlich kommt dieser Gedanke heutzutage vielen der Ketzerei gleich, die sich im Internet zu Wort melden. Näher über eine Sache Bescheid zu wissen hindert oft sehr am Genuss der eigenen Empörung.)

Michael Klein erklärte im selben Diskussionsthread, Gesetze gegen Verleumdung und Volksverhetzung absurd zu finden, denn die vernünftige Reaktion sei doch schließlich Selbstjustiz und Faustrecht:

Wenn mich jemand verleumdet, muss ich Deiner Meinung nach also zum Staat, um mich juristisch zu wehren. Warum muss ich das, weil ich dann, wenn ich den Verleumder verprügele, mit einer Anzeige wegen Körperverletzung zu rechnen habe. Gleichzeitig nimmt mir mein Staat ein Abschreckungsmittel, denn ich kann dem Verleumder nicht glaubhaft mit Prügel bedrohen, statt dessen muss ich auf staatliche Hilfe hoffen und bin in meiner eigenen Handlungsfreiheit beschränkt - und damit sind wir am Kern des Problems, die Interaktionen werden entpersönlicht und Akteure werden zu Marionetten degradiert


Und ein Anonymus mit dem Nick "everhard" befand:

Du kannst Dich in einer stillen Stunde fragen, ob Du mit der selben Schärfe, mit der Du die Medienmechanik und Diskurshoheit der einen Seite in Feminismusfragen analysierst, auch in der Islamfrage agierst, wo auch eine sehr einseitige veröffentlichte Meinung herrrscht. Dein Hohmann/Friedmannbuch liegt übrigens neben mir. Du kannst es also.


Fangen wir mit dieser letzten Passage an, weil diese Art der Argumentation von einigen Leuten verwendet wird, die sich mit mir auseinandersetzen wollen. Nur passt der herablassende Tonfall "everhards" in keiner Weise zur Stichhaltigkeit seines Arguments. Dieses ist ebenso überzeugend wie zu einem Anwalt zu gehen, der schon einmal jemanden verteidigt hat, der fälschlich beschuldigt wurde, und ihn anzuschnauzen, warum er sich nicht konsequenterweise genauso für jemanden einsetzte, der auf frischer Tat ertappt wurde. Gefolgt von dem Satz "Sie haben doch schon mal jemanden rausgehauen – Sie können es also."

Tatsächlich sind Martin Hohmann und Thilo Sarrazin zwei komplett unterschiedliche Fälle. Martin Hohmann hielt in der hessischen Provinz einen Vortrag vor ca. 130 Zuhörern, in dem er sich verhob, indem er versuchte, die Kollektivschuldthese mit einem schrägen Vergleich darüber zurückzuweisen, dass es doch auch unter den Juden üble Charaktere gegeben habe. Aufgrund einer fehlerhaften Agenturmeldung wurde die lediglich misslungene Rede von den "Tagesthemen" sowie etlichen Zeitungen falsch zitiert (Hohmann habe die Juden als "Tätervolk" bezeichnet) und zu einem Skandal hochgejazzt. Im Ergebnis stürzten sich fast sämtliche Journalisten ausnahmslos auf Martin Hohmann, schrieben sich in eine Hysterie hinein, die darin mündete, ihn als geifernden Geistesgestörten zu beschimpfen, und erzeugten ein Meinungsklima, aus dem sich kaum ausscheren ließ. Weder nützte es Hohmann etwas, dass er sich zuvor mehrfach für die deutsch-jüdische Aussöhnung eingesetzt hatte, noch dass er er an mindestens drei verschiedenen Gelegenheiten glaubhaft um Entschuldigung für die misslungenen Passagen seiner Rede gebeten hatte. Er durfte sich in keiner einzigen Talkshow verteidigen, in der es um den Umgang mit ihm ging, und bei der Entscheidung der CDU, ob man Hohmann aus der Partei ausschließen sollte, wurde es abgelehnt, sich seine Rede überhaupt nur anzusehen, weil man "derlei Zeug nicht zur offiziellen Tischvorlage der Christdemokraten" machen wollte. Manche Kommentatoren, etwa Tobias Kaufmann im "Kölner Stadt-Anzeiger" und ein Anonymus in der "taz", machten Scherze darüber, ob sich Hohmann wegen der Hetzjagd auf ihn wohl demnächst umbringen würde. Als sich im Februar 2005 WDR, Spiegel-Online, BILD-T-Online und andere Medienorgane Martin Hohmann gegenüber verpflichteten, zukünftig die Behauptung zu unterlassen, er habe Juden als "Tätervolk" bezeichnet, war Hohmann politisch längst erledigt. Als Folge all dieser Ereignisse ist er noch heute ein gebrochener Mann. Wenn es in der gesamten Medienlandschaft so gut wie keinen Journalisten gibt, der diesen erbärmlichen Umgang mit Menschen kritisch hinterfragt, dann nehme ich als Medienwissenschaftler mich der Sache natürlich an: unabhängig davon, ob ich Hohmanns politische Auffassungen teile und auch wenn vorhersehbar ist, dass daraufhin einige auch mich in die antisemitische Ecke zu schieben versuchen, weil sie mein Buch zu diesem Medienskandal nicht gelesen haben.

Von dem Verlag, in dem mein Hohmann-Buch erschienen ist, gibt es seit einiger Zeit schon das Angebot, es neu aufzulegen, wenn ich noch ein Kapitel zur Verteidigung Thilo Sarrazins mit aufnehme. Das wird nicht passieren. Lieber verzichte ich auf die entsprechenden Einkünfte.

Thilo Sarrazin nämlich ist ein ganz anderes Kaliber als Martin Hohmann. Er profilierte sich in eigenen Artikeln und Interviews sehr gezielt mit Äußerungen, die an rassenbiologisches Denken erinnern und Menschengruppen massiv herabsetzen. Experten haben seinen Behauptungen immer widersprochen; Sarrazin selbst erklärte, wenn man keine Zahlen für eine Behauptung habe, muss man eben welche "schöpfen" und hoffen, dass diese sich durchsetzen. Ein gründliches Gutachten erkennt Sarrazins Äußerungen als eindeutig rassistisch. Als Folge dieses Rassismus ist Sarrazins kurz darauf herausgegebenes Buch das einzige in der Geschichte der Bundesrepublik, das vom SPIEGEL und der BILD mit Vorabdrucken massiv beworben wurde. (Man kann unbesorgt darauf wetten, dass ein in die Gegenrichtung argumentierendes Buch wie etwa Kein schönes Land nicht dieselbe PR erhalten wird.) Die Werbekampagne der Mainstreamedien ging weiter, indem Sarrazin zu zig Talkshows eingeladen wird, von "Beckmann" über "Hart aber fair" bis zu "STERN TV".

Anders als Journalisten lehnen Wissenschaftler Sarrazins Thesen durchgehend ab: Der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland bescheinigt Sarrazin, grundlegende Zusammenhänge nicht verstanden zu haben. Der Migrationsforscher Klaus Bade bezeichnet Sarrazins laienhaftes Vorgehen als abwegig. Der Ökonom Christoph Schmidt hält Sarrazin im "Handelsblatt" falsch verstandene Statistik und einen Griff in die Mottenkiste der "Rassentheorie" vor. Demografen erklären, warum Sarrazins Theorien nicht stichhaltig sind. Der Präsident der Bundesstatistikkommission Hans Wolfgang Brachinger wendet sich von Sarrazins statistischem Analphabetismus mit Grauen ab. Selbst Sarrazins wissenschaftliche "Kronzeugin" erklärt, dieser habe da etwas fundamental falsch verstanden.

Dem allen unbenommen wird Sarrazin von den verschiedensten Medien, darunter der BILD, bis heute in positiv gerahmten Artikeln im Gespräch gehalten. Gegen das von Extremismusexperten gefällte Urteil, Sarrazin habe mit zu dem Klima beigetragen, in dem Gewalttaten gegen Muslime möglich werden, versuchen etliche Journalisten, Sarrazin in Schutz zu nehmen. Das ist natürlich auch eine versuchte Selbstentschuldung: Nicht wenige dieser Journalisten waren selbst an der Massenproduktion von Islamophobie beteiligt. Von einer einseitigen Front der Medien und durchgehendem Prügel wie bei Martin Hohmann kann keine Rede sein – übrigens auch was linke Medien angeht. Während sich etwa die Macherinnen der "taz", von Ines Pohl über Ilse Lenz bis zu Simone Schmollack lieber nackt durch die Fußgängerzone peitschen lassen würden, als in ihrem Blatt nur mit einer Zeile Männerrechtler ihre Position darlegen zu lassen, stellte es für die "taz" kein Problem dar, Thilo Sarrazin durch Henryk Broder interviewen zu lassen. Auch in Büchern wie Sarrazin. Eine deutsche Debatte, herausgegeben von der Deutschlandstiftung Integration, treffen Fürsprecher und Gegner aufeinander. Sarrazin wurde trotz oder gerade wegen seiner fremdenfeindlichen Sprüche von vielen Journalisten gepusht, was sich für ihn finanziell enorm ausgezahlt hat. Diesen Mann ähnlich wie Männerrechtler zum Opfer einer politischen Korrektheit der Mainstreammedien erklären zu wollen ist eine Verschwörungstheorie, die man nur als grotesk bezeichnen kann.

Wenn es gegen Feminismuskritiker dasselbe "einseitige Meinungsklima" wie in der Islam- und Migrationsdebatte gäbe, würden maskulistische Bücher von BILD und SPIEGEL vorabgedruckt werden und Maskulisten würden durch zig Talkshows tingeln. In feministischen Büchern dürfte die Hälfte der Beiträge von Männerrechtlern geschrieben werden und die "taz" würde eine Seite zur Verfügung stellen, damit z. B. Eugen Maus Eckhard Kuhla interviewt. Der Vergleich ist absurd: Gegen Männerrechtler gibt es ein einseitiges Meinungsklima, gegen Fremdenfeinde nicht.

Auch die linksliberale Süddeutsche Zeitung zeichnet in einem typischen Beitrag ein durchaus differenziertes Bild Sarrazins. Das Blatt schildert aber auch, wie Sarrazins Veranstaltungen ablaufen:

Nach dem Vortrag dürfen die Besucher Sarrazin wie immer Fragen stellen. Ein gutes halbes Dutzend Mal hört er den Satz: »Herr Sarrazin, vielen Dank für Ihre Ausführungen und den Mut, das öffentlich zu sagen, was wir alle denken.« Kaum einer wagt es, Sarrazin zu widersprechen. Und wenn doch, erntet er Buhrufe und Pfiffe. Eine junge Deutsch-Koreanerin, Musikstudentin, nimmt all ihren Mut zusammen, geht vor den Sarrazin-Anhängern ans Mikrofon und fragt Sarrazin, ob er Goethes Wanderers Nachtlied denn wirklich auswendig könne oder ob er nur damit prahle. »Glauben Sie mir, junge Frau, ich kann’s«, antwortet Sarrazin trocken. Als sie trotzdem beginnt, das Gedicht aufzusagen, weil sie ihm beweisen will, dass auch sie, eine Ausländerin, Interesse an der deutschen Kultur hat, ist nur die erste Zeile zu hören: »Über allen Gipfeln ist Ruh«, der Rest geht in Pfiffen unter. Eingeschüchtert verliert die Studentin den Faden und verhaspelt sich. Das Publikum johlt. Sarrazin sieht in diesem Augenblick nicht besonders glücklich aus. Er hebt leicht die Hand, um das Publikum zu beruhigen, und sagt etwas ins Mikro, aber das ist nicht zu verstehen. Seine Anhänger entgleiten ihm wie Goethes Zauberlehrling die Geister, die er rief. Die Studentin steht immer noch am Mikro, ihre Hand zittert, ihr Mut ist aufgebraucht, weggejohlt. Doch bevor sie gedemütigt aus der Halle rennt, ruft sie noch einen Satz, einen bemerkenswerten Satz: »Sehen Sie denn nicht, was Sie hier anrichten?«


Nun gehört die "Süddeutsche" für die Sarrazin-Anhänger selbstverständlich zur linksrotgrünen Gutmenschenpresse, weshalb sie konsequent ignoriert wird. Allerdings berichtet Jan Fleischhauer, einer der Wortführer der Neuen Konservativen und überzeugter Kritiker der Linken, ganz ähnlich:

Am Anfang ging es den Verteidigern Sarrazins um die Verteidigung der Meinungsfreiheit, inzwischen wird dieses Grundrecht als Freibrief genutzt, Ressentiments gegen Muslime und Türken ganz unverstellt zu äußern. "Für Sarrazin! Für die Freiheit!" stand auf einem Plakat, als der Autor vor kurzem in der Urania in Berlin seine Thesen präsentierte. Man fragt sich unwillkürlich: Was wird hier eingeklagt? Die Freiheit, unbequeme Wahrheiten auszusprechen? Oder die Freiheit, endlich das herauszuplärren, was man lange nicht sagen durfte, weil es auch gute Gründe für ein Tabu geben kann?

Es ist mit Rücksicht auf die Vorgaben der politischen Korrektheit aus der Mode gekommen, vom Mob zu reden. Aber es gibt kein besseres Wort für das Publikum, das sich am Freitag vorvergangener Woche in der Urania einfand. Es war ein adrett zurechtgemachter, nach Rasierwasser und Eau de Toilette riechender Mob, ein Angestelltenpöbel, den es kaum auf den Stühlen hielt, sobald die Rede auf "die Politik", "die Medien" und "die Ausländer" kam, und der zischend, johlend und klatschend seiner Aggression freien Lauf ließ. Wer nur zum Zuhören gekommen war, begann sich zwischenzeitlich ernste Sorgen um den armen Deutsch-Iraner zu machen, der als Quotenmuslim auf dem Podium Platz genommen hatte und bei jedem Satz sofort böse Zwischenrufe erntete.


Das geschilderte Szenario ähnelt frappant dem Verhalten, das inzwischen viele "konservative" oder "liberale" Männerrechtler in ihren Internetblogs und -foren an den Tag legen. Die meisten Gemäßigten haben sich aus der in ihren Augen destruktiven Debatte längst kopfschüttelnd verabschiedet. Die Extremisten heizen sie weiter an – und kurioserweise sind es letzere, die endlos jammern, dass ihre Redefreiheit ständig unterdrückt werde.

Im Moment sieht die Strategie am rechten Rand der Männerbewegung folgendermaßen aus: Es wird gezielt Reklame für rassenbiologische Auffassungen betrieben sowie für Blogs, die für eine gewaltsame Lösung des "Moslemproblems" sorgen, sei es durch ethnische Säuberungen, sei es durch "Eigeninitative". Wer auf diesen Irrsinn die passende Antwort gibt, soll als "Feind der Meinungsfreiheit" und "Gesinnungsterrorist" mit Hang zu "verbaler Gewalt" zur Unperson erklärt werden. Politisch korrekt ist man für diese Fraktion nur, indem man zu ihren Abenteuerlichkeiten schweigt oder ihnen zustimmt. (Eine ähnliche Strategie fährt gerade die NPD in Berlin: Diese Freunde der Meinungsfreiheit plakatieren z. B. am Holocaust-Mahnmal und gegenüber dem Jüdischen Museum die Parole "Gas geben!" und als Mitarbeiter der Satirezeitschrift TITANIC diese Plakate mit eigenen überkleben, empört sich die NPD über "linksextremistische Mordphantasien" und eine "menschenverachtende Propagandaaktion".) Vor diesem Hintergrund trifft der zu Beginn dieses Blogeintrags von mir zitierte Männerrechtler ins Schwarze, wenn er in seinem Leserbrief von den Ausgrenzungsversuchen einer aggressiven Strömung in der Männerrechtsbewegung spricht, für die "rechtes Gedankengut und rechte Gesinnung um ein vielfaches Wichtiger" ist "als die Männerbewegung selbst (...) Was links und später 'Mitte' erschien, durfte nicht zur Männerbewegung gehören."

Markus Theunert, der Vorsitzende von männer.ch, beschrieb diese Haltung mit Blick auf die Schweizer IGAF einmal als "totalitär". Wofür immer man Theunert sonst kritisieren mag, in dieser Hinsicht hat er einen wunden Punkt getroffen. Ich erinnere mich gut daran, wie gerade die angeblich so "Radikalliberalen" aus dem IGAF-Umfeld mich vor einiger Zeit, sobald ich öffentlich eine von ihnen abweichende Meinung vertreten hatte, als "Verräter" brandmarken und mich aus der Männerbewegung "ausschließen" wollten (wie immer man sich die Umsetzung einer derart absurden Forderung vorstellen soll). Ich war überrascht, dass der Ruf nach "Hanfkrawatten" (Stricke zum Aufhängen), der in diesem "liberalen" Flügel für den politischen Gegner sonst so gerne verwendet wird, gerade noch ausblieb. (Gegen die Mordphantasien aus diesem Lager gab es von offenbar weniger "liberalen" Männerrechtlern auch immer wieder Gegenwind – allerdings gehören beide Kritiker zu denjenigen, die es in dieser Gesellschaft irgendwann nicht mehr ausgehalten haben.) Wie ich an diesem Wochenende lese, hat die IGAF ironischerweise gerade wieder einen neuen "Verräter" gefunden, der am Versagen der Radikalen in der Männerbewegung Schuld sein soll.

Eine seriöse Diskussion lässt sich mit einer politischen Subkultur, die Äußerungen wie die zitierten als "liberal" verbrämt, kaum mehr führen. Wenn Linke darauf hinweisen, wie oft sie schon davor gewarnt hatten, dass die kollektive Verunglimpfung einer ganzen Religion und ihrer Anhänger ein Spiel mit dem Feuer ist, was sich in Norwegen grausig bestätigte, wird das Massaker von den Aufhetzern als "feuchter Traum der Linken" beschrieben. Was soll man auf dieses Niveau noch antworten? Wenn ich Blogs wie "Politically Incorrect" wegen der dort geäußerten Mord- und Vernichtungsphantasien kritisiere, wirft mir vom Verfasser des Blogs "Söhne von Perseus", einem Mitglied des Kernteams der Schweizer Interessensgemeinschaft Antifeminismus (IGAF), "Hass auf alles Konservative" vor. Gelten Mordaufrufe mittlerweile als "konservativ"? Ich habe der "Jungen Freiheit" mehrere Interviews gegeben und für sie einen wertschätzenden Artikel über den Männerrechtler Michail Savvakis verfasst. Was für eine politische Haltung muss jemand haben, dass ihm selbst die "Junge Freiheit" schon links erscheint? Auch Roland Koch wird kaum als Linker durchgehen – und trotzdem befindet er zu Sarrazins Buch klipp und klar:

Sarrazins Standpunkt ist ja am Ende nicht akzeptabel für aufgeklärte Konservative. Eine kluge Analyse mit unerträglichen Folgerungen ist keine konservative Politik. Obendrein ist diese Analyse noch nicht einmal klug, eher ein Beispiel für die intellektuelle Ladehemmung, die in Deutschland meistens dafür sorgt, dass verquaster Unsinn herauskommt, wenn einer mal konservative Standpunkte offensiv vertreten möchte. Hätte Sarrazin die letzten drei Kapitel nicht geschrieben, dann hätte er eine interessante wissenschaftliche Analyse eines Tatbestandes vorgelegt. Aber so ist es dumpfer Biologismus. Davor graust mir. Das ist aus meiner Sicht jenseits des Verständnisses von Menschenwürde, das gerade Konservative haben. (...) Aus der Sicht eines Konservativen zerstört jemand, der so vorgeht wie er, die Diskussion. Er ist ein klassisches Beispiel für jene, die am Ende dafür sorgen werden, dass eine konservative Debatte nicht mehr stattfindet.


Warum bekommen so viele Internet-Männerrechtler die Trennung zwischen konservativ und menschenverachtend, zwischen seriös und unseriös nicht mehr gebacken? Der vielgeschmähte Roland Koch bekommt das hin – Maskulisten sind überfordert. Warum gehen sie reihenweise rechten Rattenfängern auf den Leim, solange diese nur Ressentiments gegen Zuwanderer bestärken? Warum ist ihre einzige Reaktion darauf, dass Fachleute der unterschiedlichsten Bereiche bei Sarrazins Thesen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, ein glühender Hass auf Akademiker? Warum ziehen sie jede noch so obskure Traumwelt der Wirklichkeit vor? Als ich auf Facebook nichts anderes als einen Programmhinweis auf eine Gesprächsrunde des "Internationalen Frühschoppens" über das Massaker in Norwegen verlinke, schreibt mir Peter Rueth, ein Mitglied der Schweizer Antifeministen, dass es inakzeptabel sei, sich solche Gesprächsrunden auch nur anzusehen. Stattdessen verweist er auf einen Beitrag des Verschwörungstheoretikers Gerhard Wisneswki auf den Seiten des Kopp-Verlages, erklärt mir "keinesfalls war Breviek der Täter und wenn ... dann einer im Auftrag von ganz oben", woraufhin er mich auffordert, ich solle in Zukunft "schreiben, was Fakt ist". Wisnewski scheint ein Lieblingsautor in den Reihen der IGAF zu sein – auch "Die Söhne von Perseus" zitiert ihn begeistert. Zugestanden, sowohl auf Facebook als auch bei den Perseussöhnen begegnet man öfters mal extravaganten Ansichten – aber im Forum von MANNdat ist das neu.

Natürlich sind viele dieser Äußerungen vor allem Trotzreaktionen und natürlich ist die Linke daran insofern nicht unschuldig, als sie zur Errichtung unzähliger Tabuzonen Begriffe wie "rechtsradikal" dermaßen inflationär gebrauchte, dass dieser Begriff komplett entwertet wurde. Glaubt man etwa den Fundamentalisten vom linken Rand der Geschlechterdebatte wie Thomas Gesterkamp, Jörg Rupp und Andreas Kemper, bin ich so etwas wie ein Zentrum des rechtsextremen Flügels in der Männerbewegung. Solche Spinnereien schaden einer seriösen Analyse und einer fruchtbaren Debatte. Und wenn sich Leute wie Jutta Allmendinger oder Ulrike Baureithel schon von einer fairen Auseinandersetzung mit so gemäßigt auftretenden Männerrechtlern wie AGENS schlicht überfordert zeigen, dann ist das natürlich ebenfalls Wasser auf den Mühlen der radikalen Fraktion. Nur bedeutet der ausufernde Gebrauch bestimmter Zuschreibungen nicht, dass dadurch all jene Fälle verschwinden, wo diese Zuschreibungen berechtigt sind. Ich finde diesen logischen Fehler, der von vielen Fans Thilo Sarrazins und "Politically Incorrects" gemacht wird, offensichtlich. Sie argumentieren so, als sollte man keine Verbrechen anprangern, weil es doch auch schon Falschbeschuldigungen gab.

Leider sind die Extremisten auf der linken und die Extremisten auf der rechten Seite aus demselben Holz geschnitzt. Für Gesterkamp, Kemper & Co. scheint alles rechts von der "jungen welt" rechtsradikal zu sein; für die "Söhne von Perseus" und Co. ist ab der "Jungen Freiheit" alles linksextrem und jede Kritik an Aufrufen zum Massenmord "Gesinnungsterrorismus". Die eine Fraktion will Feminismus zu einer heiligen Kuh erklären und jede Kritik an dieser Ideologie verbieten, die Gegenfraktion will beim Thema Männerrechte durch die Hintertür Ausländerfeindlichkeit und Hass auf Muslime einschmuggeln. Die einen wollen die Männerbewegung nach ganz rechts schieben, um sie zu diskreditieren, die anderen nach ganz rechts zerren, weil ihnen ihre rechte Ideologie wichtiger als die Männerbewegung ist. Letztlich arbeiten beide Fraktionen engagiert zusammen: Im Endeffekt wird die Männerbewegung für Menschen, die links oder in der Mitte des politischen Spektrums stehen, zunehmend unattraktiv.

Diese stillschweigende Zusammenarbeit zwischen beiden verfeindeten Lagern erinnert mich an Yassin Musharbashs dieser Tage erschienenen, famosen Thriller "Radikal", in dem gezeigt wird, wieviel mehr Überschneidungen es zwischen Islamisten und Islamhassern gibt, als man auf den ersten Blick ahnen mag. In einer Rezension des Buches von Omid Nouripour findet sich die folgende hübsche Passage:

Aus der Geschichte der Weimarer Republik ist folgende Geschichte bekannt: Ein demokratischer Abgeordneter zeigt in einer Plenardebatte auf die äußersten Ränder des Parlaments nach links und rechts und sagt ihnen voraus, sie würden als erstes einander aufhängen, wenn einer von ihnen an die Macht käme. Ein Zwischenruf von ganz rechts in Richtung des Demokraten bringt eben diese Ränder zur Erheiterung: „Als erstes werden wir DICH aufhängen“.


Das ist exakt die Situation, in der man sich derzeit in der Geschlechterdebatte im Internet wiederfindet, wenn man zu keinem der radikalen Lager gehört. Man wird unweigerlich von Vertretern beider Extrempositionen ins Kreuzfeuer genommen wurde. Blogs wie die "Söhne von Perseus" und "Isis Welt" könnten ein Joint Venture gründen mit der gemeinsamen Zielsetzung, dass als erstes Arne Hoffmann abgeschossen gehört. Braucht ihr mittlerweile nicht mehr; ihr könnt euch zufrieden die Hand reichen, denn ihr habt es geschafft: Dieses ideolgisierte Beharke raubt auf Dauer zuviel Aufmerksamkeit und Energie, die man in vernünftigere Dinge investieren kann. Das Leben bietet sehr viel angenehmere Seiten als die Fans von Thilo Sarrazin und "Politically Incorrect" auf der einen und Gesterkamp, Isi, Piratengirl & Co. auf der anderen Seite.

Ein überraschender Faktor ist dazugekommen: Je schriller die Töne auf allen Seiten wurden, desto langweiliger wurden viele Debatten. Spannend war es noch, als wirklich neue Gedanken ausführlich dargelegt wurden – in der Regel von den Leuten, die inzwischen wegen des Absturzes im Diskussionsniveau abgewandert sind. Die Ultrarechten haben zahlreiche Gegenstimmen erfolgreich weggebissen, aber das, was sie damit erobert haben, ist vielfach zum Ödland geworden.

Ein aktuelles Beispiel: Monika Ebeling soll wegen ihrer Kritik an der feministischen Ideologie jetzt auch ihre Stelle als Leiterin des Goslarer Kindergartens verlieren. Darauf drängt derzeit der Goslarer FDP-Fraktionschef Christian Rehse. Durch die Foren zieht daraufhin die übliche Welle äußerster Empörung ("Viertes Reich!"); damit ist die Sache aber anscheinend erledigt. Konkret um die Angelegenheit kümmern dürfen sich offenbar diejenigen, die man sonst so gerne angeraunzt, wenn sie nicht stramm rechts in Reih und Glied marschieren. Nur haben die auf diese Rollenverteilung inzwischen keine Lust mehr. (Schon das bekannte Spiel, bei dem drei Leute eine konkrete Aktion durchführen und dann 40 träge Besserwisser in den Foren darüber diskutieren, warum diese Aktion miserabel war, gefällt den meisten Aktiven nicht wirklich.)

Deswegen haben sich sehr viele von ihnen lange vor von diesem Geböller verabschiedet. Sie haben keine Lust, bei Überlegungen zum Geschlechterthema ständig Pseudo-Diskussion darüber aufgezwungen zu bekommen, ob Deutschland wegen der vielen genetisch minderwertigen Ausländer verdumme, gegen Europas Unterjochung durch den Islamofaschismus nur noch Gewalt helfe oder ob das Massaker in Norwegen Teil einer Verschwörung von "ganz oben" gegen die "konservative Revolution" ist. Ausgerechnet im Lager der angeblich so Liberalen herrscht der dumpfeste Fundamentalismus: Während ich als Linker auch Dinge benenne, die ich bei den Linken als Fehlentwicklungen sehe, sowie auch mit konservativen Blättern wie dem FOCUS, "eigentümlich frei" und der "Jungen Freiheit" in Kontakt stehe, können die Ultrarechten in der Männerbewegung über keine Fehlentwicklungen der eigenen Strömung sprechen, der kleinste Hauch von Kritik führt zum Tobsuchtsanfall oder offenbar jahrelangen Traumatisierungen ("Wir können bis heute nicht verwinden, wie respektlos du Anfang 2010 über die stolze Schweiz geschrieben hast!"), und eine Zusammenarbeit mit linken Plattformen gibt es nicht. Stattdessen profiliert man sich mit der gebetsmühlenhaften Wiederholung des Dogmas, dass die Linke "die Pest" sei – ähnlich wie für radikale Feministinnen das "Patriarchat" die Quelle allen Übels ist – und dass es für Linke selbstverständlich keine Meinungsfreiheit gelten sollte. Ja, diese Leute, die Meinungsfreiheit nur für die eigene Meinung gelten lassen wollen, bezeichnen sich tatsächlich als "Liberale". Und ideologisch sowie was ihre Vernetzung im Internet angeht, gehören auch sie zum Kernteam der IGAF.

Eine Zeitlang habe ich versucht, in diesem Blog "nebenher" mit verschiedenen Sachinformationen dazu anzuregen, solche fundamentalistischen Weltbilder, gerade was Ausländer und Musliem angeht, kritisch zu hinterfragen. Keine Chance: Ein Fundamentalist, der solche Informationen liest, hat sie offenbar schon in der nächsten Sekunde wieder vergessen. Wenn man reihenweise führende Experten in genau jenen Bereichen genannt hat, mit denen die Fremdenfeinde punkten wollen, und die Erklärungen dieser Experten nur als Teil einer großen linken Verschwörungstheorie abgetan werden, dann hat eine Diskussion keinen Sinn mehr. Deshalb verlassen wir irgendwann die Männerrechtlerszene im Internet.

Wir denken nicht daran, die Meinungsfreiheit anderer einzuschränken. Die Meinungsfreiheit der Fremdenfeinde bedrohen wir mit keiner Silbe. Kritik an ihren Auffassungen allerdings und der Hinweis auf die zahlreichen Gegenstimmen in der Wissenschaft stellen keine Bedrohung, sondern den Gebrauch von Meinungsfreiheit dar. Genauso gehört es zu unserer Freiheit, nicht über jeden Quatsch diskutieren zu wollen. Auch David Ickes Theorie, der zufolge die Menschheit heimlich von interdimensionalen, reptiloiden Geisteswesen regiert wird, die Menschen einen Chip ins Hirn setzen wollen, gehört zur Meinungsfreiheit. Deswegen diskutieren die meisten von uns aber trotzdem nicht darüber, weil sie das für Zeitverschwendung halten – und wenn verschwörungstheoretisch ausgerichtete Männerrechtler zehnmal poltern würden: "Du hast Hohmann verteidigt, dann hast du gefälligst auch David Icke nicht zu kritisieren! Frag dich mal in einer stillen Stunde, ob er nicht aus denselben Gründen ausgegrenzt wird wie wir Männerrechtler!" Öhm ... nein? Sondern weil er – ähnlich wie Sarrazin und Co. – einfach dummes Zeug erzählt? Wobei ich sicher bin, zahlreiche deutsche Journalisten würden sich auch für David Icke stark machen, solange er nur Auflage und Quote verspricht.

Auch bei mir ist irgendwann die Grenze erreicht, wo ich hier keine wertvolle Lebenszeit mehr investiere. Man will zu dem Blödsinn nicht schweigen, man weiß, dass Diskussionen zu nichts anderem führen als Angegifte – also geht man. In der Regel mit viel weniger Worten als ich. Viele sind von Anfang an abgeschreckt, wenn sie solche Inhalte und einen solchen Tonfall in Männerblogs und –foren lesen. Im Alltag würde man sich von Leuten, die glauben, so auftreten müssen, einfach abwenden und sie stehenlassen. Im Internet passiert dasselbe – nur hat man hier den Eindruck, die anonymen Pöbler halluzinieren, dadurch die Diskussion gewonnen zu haben. Stattdessen haben sie sie gerade verloren. Das gilt um so mehr, da, sobald es um eine anstrengende, konstruktive Sacharbeit geht (ob in der Geschlechterpolitik oder beim Thema Integration) von denselben Leuten weit und breit nichts zu sehen ist. Sie haben ja gerade im Internet jemandem die Meinung gegeigt und damit, wie sie glauben, ihren Soll erfüllt. Weshalb sollten sie da sich da noch die Mühe konstruktiver Arbeit machen?

Wie will die Männerbewegung, wie sich derzeit im Internet präsentiert, neue Verbündete gewinnen, wenn sie stattdessen sogar langjährige Unterstützer reihenweise abschreckt? Sarrazin mag mit seinen "Provokationen" großen Reibach gemacht haben, steht aber politisch isoliert da und kann nichts in seinem Sinne bewegen. Sobald er irgendwo eine Lesung abhält, kommen heute um die 200 Leute. (David Icke erreicht 5000 Zuhörer.) Wenn die Männerbewegung nur aus den radikalen Polterern und Verschwörungstheoretikern bestünde, käme auch sie bei ihren Veranstaltungen über die 200 Mann nie hinaus. Auch "Politically Incorrect" hat nach all den Jahren Demagogie, Polemik und Gewaltaufrufen nicht mehr erreicht, als einen Großteil auch der seriösen Islamkritik dauerhaft zu diskreditieren. Die Chancen stehen gut, dass "Männerrechtler", die im Internet ähnlich auftreten, dasselbe erreichen.

Bevor dieser Blogeintrag zu der Behauptung genutzt werden kann, die gesamte Männerrechtsbewegung sei inzwischen auf dem rechtspopulistischen Trip: Von meinen zahlreichen persönlichen Kontakten her weiß ich, dass etliche Männerrechtler politisch links stehen, in der Mitte angesiedelt oder schlicht konservativ sind (in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes und nicht als Euphemismus für "borniert, gewaltgeil und rassistisch"). Im Internet bekommt man von dieser Heterogenität immer weniger mit. Aber selbst wenn man alle schwarzen Schafe zusammennimmt, die hier mit Rechtsaußen-Positionen auffallen, kommt man – großzügig gerechnet – auf vielleicht 50 Mann: innerhalb der gesamten Männerbewegung also eine klare Minderheit, die sich lediglich extrem aufzupumpen versucht. Die tägliche Zugriffsrate dieses bescheidenen Blogs alleine betrug 2000 Hits. Und so manche dieser Leser landeten daraufhin in den Reihen von AGENS, gerade weil sie unser Vermeiden fragwürdiger Extrempositionen und unser Prinzip der Gewaltlosigkeit schätzen.

Vor einigen Wochen habe ich beschlossen, mich den zahllosen Abwanderern aus der Internet-Szene anzuschließen, die sich, nur weil sie eine fairere Politik für Männer und eine Kritik am Feminismus notwendig finden, noch lange nicht an einer destruktiven Debatte mit rechtspopulistischem Hintergrund beteiligen möchten. Ich werde hier auch nicht einfach weiter männerpolitische Beiträge bloggen, während in meinem Rücken die Männerrechtlerszene im Internet auf einen Kurs rechts der CSU gebracht werden soll. Ganz sicher spiele ich hier nicht weiter das linksliberale Feigenblatt für ultrarechte Maskulisten.

Insbesondere bei Aufrufen zu Gewalt, wie sie auf "Politically Incorrect" ebenso wie inzwischen in einigen Männerforen gang und gäbe sind, ziehe ich eine rote Linie. Es steht Michael Klein, Heike Diefenbach und Co. frei, das anders zu sehen, aber genauso steht es mir frei, mich hier auszuklinken. Der Gewaltaufruf gegen missliebige Menschen und Meinungen trägt, anders als das rechte Spektrum in der Männerbewegung einem weismachen will, eben nicht zu einer liberaleren, sondern einer totalitäreren Haltung bei: egal ob die "Hanfkrawatten" für muslimische Einwanderer, für "Muselfreunde" oder für Kritiker eines radikalen Maskulismus gefordert werden. Diese Rhetorik soll (ähnlich wie die Sammlung von Adressen mit Leuten mit abweichenden Ansichten) einschüchtern und den politischen Gegner zum Schweigen bringen. Spätestens nach Norwegen kann man sich auch nicht mehr in der falschen Sicherheit wiegen, dass diese ständige Hetze nur verbale Kraftmeierei im Internet bleibt. Eine Radikalisierung, wie sie hier betrieben wird, ist mit mir nicht zu machen.

Ach ja: Was die IGAF angeht, ist damit die Tür zu dem einzigen Journalisten, der früher trotz allem immer wieder wohlwollend über sie berichtet hatte, verschlossen.

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Anonymisierte Lesermails zu diesem Beitrag und meine bewusst knappen Antworten:

Es sind schon jetzt viel zu viele, die einfach vor dieser Radikalisierung reißaus genommen haben und von denen man jetzt nichts mehr hört. Da müßte man wirklich was anderes finden, wo wir uns mal sammeln könnten. Gerade die jetzige Diskussion im gelben Forum finde ich recht fruchtbar. Da zeichnen sich doch viele ab, denen es ähnlich geht. Bevor die alle weg sind, muß was passieren.


Prima – dann brauchen wir nur noch jemanden, der das in die Hände nimmt. Das werde nicht ich sein.

richtig so arne laß dich nicht verscheißern....teile mir bitte den nächsten blog und den titel deines nächsten buches mit


Danke für die unterstützenden Worte. Ein nächster Blog ist derzeit nicht geplant. Mein nächstes Buch wird "Das Kamasutra am Arbeitsplatz" heißen – es ist also wieder ein humorvoller Sexratgeber statt Geschlechterpolitik. Es erscheint im September.

Lieber Arne, ich habe als regelmäßiger Leser deines Blogs bemerkt, dass du nicht mehr schreibst. Ich habe "Urlaub" vermutet, den ich dir auch gönnen würde.

Jetzt lese ich mit Bedauern, dass du nicht mehr bloggen willst, weil die Männerszene nach außen mehr und mehr von abgefahrenen Extremisten geprägt wird. Ich finde, du solltest genau aus dem Grund weiter bloggen.

Neue Interessenten an Männerrechten werden denken, sie müssten auch Muslime hassen oder den Vietcong unterstützen, weil das zu Männerrechten dazu gehörte. Dem kannst du entgegen wirken. Für langjährige Anhänger wie mich ist dein Blog die einzige zuverlässige und unabhängige Quelle über Weltgeschehen und deren Interpretation aus Männersicht. Ich muss nicht selbst suchen und bekomme es mit, ein Link, wenn ich mehr wissen will, und deine Meinung, der ich mich meistens anschließen kann. Ebenso das Geschehen in der Männerrechtsszene. Ich habe nicht die Zeit und Kraft, selbst zu gucken, wer neben Männerrechten noch welche anderen Meinungen mit verkaufen will und was ich davon halten soll. Deswegen meine Bitte: Mach weiter!

(...) Du botst mit deinem Blog Fakten zu allen möglichen Themen und eine Meinung an, die Leser annehmen konnten und selbstbewusst privat oder öffentlich vertreten konnten.


Ich freue mich über das positive Feedback, das ich ja auch immer wieder erhalte, bin das ständige Internet-Hickhack aber trotzdem Leid. Die Chancen, mich umzustimmen, liegen derzeit wirklich bei null.

Gehöre seit gut zwei, drei Monaten auch zu den eifrigen Lesern Deines Blogs "Hinter meinem Schreibtisch": Ich bin übrigens durch den "Kachelmann-Prozess" langsam zu einer kritischeren Sicht des Feminismus gelangt, weil ich würde mich ja nun politisch wirklich als links der linken Mitte einschätzen und somit eigentlich dem Feminismus aufgeschlossen. Aber: Ich würde sagen, dass ich wohl 90% von dem, was Du in Deinem Blog geschrieben hast, sehr gut fand und zwar 100%, wenn Du Rassismus etc. analysierst und wohl 80%, wenn es um Männerrechtsthemen geht.

Gut, nun habe ich ja gelesen, dass Du mit dem Schreiben in Deinem Blog aufhören willst und dies aus m.E. sehr nachvollziehbaren und verständlichen Gründen. Aber, ich fände es sehr, sehr schade, wenn Du aufhören würdest, differenziert über Männerrechtsthemen im Internet zu schreiben. Ich habe bei Dir sehr stark das Gefühl, dass Du Dich viel zu häufig und wohl viel zu intensiv im Internet bewegst und schaust, was andere Blogs über Dich oder über ein Thema schreiben, das Dich sehr interessiert (z.B. Männerrechtsthematik oder Rassismus). Nur schon wenn ich höre, dass Du auch bei "Isis-Welt" reingeschaut hast, dann kann dies ja für einmal noch sinnvoll sein, aber diese Frau hat nun wirklich ein Reflexionsniveau, dass es sich nicht lohnt, noch ein zweites Mal auf diesen Blog zu gehen.

Damit will ich auch sagen: Ich finde, Du beschäftigst Dich viel zu stark mit Blogs und Akteuren im Internet, die eine divergierende Meinung zu Dir vertreten und die vielfach noch ohne tiefgreifende Reflexion daherkommt, sodass es sich m.E. schlichtwegs nicht lohnt, sich immer wieder und wieder mit diesen Meinungen zu befassen. Es reicht doch vollständig für die Leser Deines Blogs aus, wenn Du Dich einmal grundsätzlich mit diesen Positionen auseinandersetzt, aber dann hast Du klar und deutlich gemacht, wo Du Dich in der Männerrechtsbewegung positionierst und mit wem Du etwas am Hut hast und mit wem nicht.

Nimm Dir doch einen Querkopf wie Noam Chomsky als Vorbild: Was wurde schon alles für einen Mist über diesen geschrieben etc., das hat ihn aber nun nicht dazu veranlasst, sich vermehrt mit diesem Geschwätz auseinanderzusetzen, sondern eben seine gesellschaftlichen Analysen unbeirrt fortzusetzen. Eine Auseinandersetzung mit anderen Positionen mag sicherlich sinnvoll sein, aber nicht, wenn es sich um reflexionslosen Müll handelt: Da reicht einmal eine Grundsatzerklärung von Dir, wo Du Dich von diesem Müll eben distanzierst, aber dann reicht das vollständig aus und Du kannst Dich mit wichtigeren Dingen beschäftigen.


Genau deine Gedankengänge haben mich zu dem Fazit geführt, mich aus dem täglichen Bloggen zurückzuziehen. Wenn du ein halbwegs aktuelles Blog herausgeben möchtest, solltest du schon wissen, wo die Debatte aktuell steht. Sich schlicht von den Extremistenblogs und -foren fernzuhalten ist keine Hilfe – diese Vögel tingeln ja auch durch andere Foren und die Kommentarspalten anderer Blogs, um ihr Gift zu hinterlassen. Dass sie sich z. B. sogar im MANNdat-Forum breit machen und dort auf wenig Gegenwind stoßen, ist beispielsweise eine neue Entwicklung. Die Radikalisierung nimmt offenbar immer weiter zu, und ich habe darauf keine Lust. Chomsky ist ja nun gerade nicht als Blogger bekannt geworden. Wenn ich mir ihn als Vorbild nehme, sollte ich wieder verstärkt auf andere Möglichkeiten der Publikation setzen.

Ich finde es sehr bedauerlich, daß du dein Blog einstellen willst. Schon bei der Aufgabe von "Genderama" war ich sehr traurig. Den Schreibtisch-Blog fand ich die wichtigste Veröffentlichung über Männrerechte, die wir in Deutschland haben.

Ich kann dich gut verstehen, daß du ein Problem mit Leuten hast, die Sarrazin verteidigen, ausländerfeindlich sind und das nach den Morden in Norwegen noch öffentlicher herausposaunen als sonst. Mir ist das auch unangenehm. Ich war zum Teil schockiert von dem, was im für jeden offenen MANNdat-Forum geschrieben wurde. Mein Ansatz ist eigentlich, Politik außen vor zu lassen, damit Linke, Liberale und Konservative für die gleiche Sache eintreten können.

So wie selbst schreibst, kann man Extremisten nicht durch Tatsachen aufklären. Das versagt ja auch bei Feministen in der Regel völlig. Mein Vorschlag wäre da, sich einfach auf das eigene Projekt zu konzentrieren und das ganze dumme Geschrei links (bzw. rechts ;-) liegen zu lassen. Das fände ich zumindest besser, als ganz aufzuhören, denn das ist da genau das, was die Extremisten wollen.

Du schreibst treffend: "Die einen wollen die Männerbewegung nach ganz rechts schieben, um sie zu diskreditieren, die anderen nach ganz rechts zerren, weil ihnen ihre rechte Ideologie wichtiger als die Männerbewegung ist." Gerade deshalb fand ich deinen liberalen Ansatz immer so erfrischend, der auch mich immer wieder mal auf den Boden der Tatsachen zurück geholt hat, wenn ich mich mal wieder über irgendwelche Dinge zu sehr aufgeregt habe.

Aber insgesamt kann ich verstehen, daß du die Schnauze voll hast und dich nicht umstimmen lassen willst. Das klingt auch deutlich aus deinem Beitrag hervor. Man merkt, daß es dir schwer gefallen ist, diesen Blog zu beenden und daß du es mit einer so langen Erklärung gemacht hast. Ich habe im Moment auch keine Patentlösung parat. Ich hoffe nur, daß die Männerrechtsbewegung sich durch die rechte Tendenz nicht selbst aushebelt, sondern sich die vernünftigen, aufgeklärten Leute aller politischen Lager nicht von den Extremisten abschrecken und denen dann das Feld überlassen. Denn dann haben die gewonnen und uns brächte das gar nichts, wenn wir uns zurückziehen (außer unsere Ruhe zu haben). Von daher werde ich auch in Zukunft die Augen offen halten, um zu sehen, wo ich mich engagieren kann, sei es MANNdat, oder AGENS, oder wer weiß wo.


Das würde mich sehr freuen. Wir brauchen mehr Aktive und weniger polarisierendes Gelaber.

Ich kann Deinen Entschluß bestens nachvollziehen, selbst habe ich mich ja schon lange aus der virtuellen Männerszene zurückgezogen. Gleichzeitig ist es natürlich auch ein weiteres Überlassen des Feldes an die rechten Großkotze. Nun haben sie einen weiteren Fußbreit des Terrains. Dieses Widerspruchs war ich mir damals bei meinem Rückzug schon bewußt, also daß es die Entscheidung für eins von zweien Übeln ist. Sie sind nur wenige, aber ein Einzelner von ihnen bekommt mit seinem Geschrei das Gehör von hundert Gemäßigten.

Ich habe in den letzen Jahren alle Deine Blogeinträge gelesen, ich war froh, daß noch einer der Linksliberalen schreibt und sich aktiv in die Debatte einbringt. Sie waren immer erfrischende Denkanstöße und haben mich stets geistig befruchtet. Deinen Entschluß respektiere ich also aufrichtig, aber ich bedauere ihn zutiefst.


Ich sehe es nicht dermaßen tragisch. Das Praktische an den "rechten Großkotzen" im Internet ist immerhin, dass sie durchweg zu faul und zu parasitär sind, um selbst etwas Bleibendes auf die Beine zu stellen. Viel mehr als im Internet zu hocken und zu hämen, hat bislang noch keiner von denen auf die Reihe bekommen. Und statt dass sie das Gehör vieler Gemäßigter erhalten, finden sie viele Gemäßigte schlicht abstoßend. Dadurch allerdings entsteht einer konstruktiv ausgerichteten Männerrechtsbewegung auch ein großer Schaden.

Mit großem Bedauern habe ich Ihren letzten Eintrag gelesen. Sie waren das einzige Blog, dass ich täglich angeschaut habe!

Ihre Entscheidung kann ich absolut nachvollziehen und denke, dass wahrscheinlich die Bedeutung der kleinen Truppe von Foren- und Kommentarschreibern im Internet sowieso zu viel Bedeutung beigemessen wird und sich mit diesen Leuten zu zanken vergebene Mühe ist. Das sind viele vielleicht ähnliche Typen wie die Autoanzünder: wenig Aufwand für eine Provokation und dafür viel Aufmerksamkeit. Gut für das Ego – bitter für die Gesellschaft.


Dieser Vergleich ist sicherlich treffend, was die Freude der Betreffenden an reiner Destruktivität angeht, ihren pseudorevolutionären Anspruch und das Bedürfnis danach, furchtbar wichtig genommen zu werden, ohne etwas anderes dafür tun zu müssen, als aktuell empfundene Aggression rauszulassen. Und in beiden Fällen scheinen eigentlich schwache Menschen eine Pseudo-Stärke zu finden, indem sie anonym und in der Meute auftreten. Doch, ein guter Vergleich!

Eine Leserin mit muslimischem Hintergrund schreibt mir:

Lieber Herr Hoffmann,

gerade im vergangenen Jahr war es jeden Morgen eine Wohltat Ihre Blog-Einträge zu lesen.

Ich war so enttäuscht von Eva Herman und so verletzt von den Auswirkungen des Sarrazinbuches.

Ich konnte es nicht so in Worte fassen, aber Sie schrieben, dass man sich in Deutschland nun in der Defensive befinde, wenn man kein glühender Islamkritiker ist (bzw. einfach alle Moslems verachtenswert findet). Genau das bringt es auf den Punkt was im letzten Sommer in Deutschland (meiner schönen Heimat, mein liebes Deutschland, mein Hamburg ... ) geschehen ist.

Das ist nicht das Land, in dem ich geboren und aufgewachsen bin.

Ich war so traurig über diese Ereignisse und schrieb Ihnen deswegen, Sie haben mir ausführlich geantwortet! Das war ein wirklicher Trost!!

Ich werde es sehr vermissen, jeden Morgen Ihren Blog anzuklicken und alle Freunde und Bekannte mit lesenswerten Einträgen zu versorgen.

Ich habe mich dadurch nicht so hilflos gefühlt.

(Das gilt auch für Ihren anderen Themenschwerpunkt!)

Jetzt möchte ich gern noch etwas erzählen:

Als mein Vater (Tunesier) 1971 nach Hamburg kam, wurde er mit ca. 20 anderen arabischen jungen Männern in einer riesigen 8-Zimmer Wohnung in Hamburg-Eppendorf eingemietet. Ich weiss nicht, ob Ihnen Eppendorf etwas sagt, es ist das Mega-Schicki-Micki-Viertel in Hamburg. Damals noch eher künsterlisch/kreativ (halt 70er, z.B. Otto und Udo Lindenberg hingen da rum), aber dennoch sehr schick.

In der Wohnung über ihnen lebte eine alleinstehende Dame. Als sie mitbekam, dass unter ihr 20 junge, arabische Männer wohnten, war sie sehr besorgt. Sie fragte sich, wer sich denn um diese kümmern würde, da sie ja jetzt so allein, weit weg von zu Hause sind!

Ohne Mütter oder ihre Frauen!

Diese Dame hat daraufhin mehr als drei Jahre lang jeden Freitag die Wäsche für meinen Vater und seine Mitbewohner gewaschen!!!

(Können Sie sich DAS vorstellen??!!)

Als sie dann später alt wurde, war immer einer der "Jungs" für sie da, hat eingekauft, ist mit ihr spazieren gegangen etcetera.

Das ist das Deutschland, in dem ich aufgewachsen bin!

Stellen Sie sich bitte vor, was heute geschehen würde, wenn in Eppendorf in der Wohnung unter Ihnen plötzlich 20 arabische Männer einziehen ...

Der Gegensatz zu heute könnte nicht krasser sein.

Mein Vater und seine ehemaligen Kollegen erzählen so viele solcher Geschichten. Teilweise so rührende Erlebnisse wie dieses, aber auch andere, die zum Schreien komisch sind.

Ich finde, in dieser Geschichte zeigt sich so einfach, worüber Sie schreiben. Zu dieser Zeit wurden Männer nicht so verachtet, wie es heute der Fall ist. Und Araber (Moslems, was weiss ich) eben auch nicht.

Da hatte man anscheinend einfach Herz?

Das vermisse ich jedenfalls sehr.


Auch Wochen nach dem Einstellen dieses Blogs erreichen mich dazu weiterhin Mails wie diese:

Hallo Arne,

gerade habe ich mal wieder in Deinen Blog geschaut und dort zu meinem großen Bedauern gelesen, dass Du Dich nach „Genderama“ nun auch hiermit aus dem Internet zurückziehst. Da ich aus Zeitgründen selten im Internet unterwegs bin und wenn, dann nur auf gezielter Recherche, d.h. in puncto Männerbewegung außer Deinen Beiträgen bestenfalls noch hier und da mal im Infobereich von Manndat, bin ich von der Information überrascht und schockiert, dass die Männerbewegung derzeit offenbar durch extremistisches Gedankengut und rechte Radikale dominiert wird. Wenn ich eins bei meinen Recherchen für meine Kriminalromane aus der Weimarer Republik gelernt habe, dann wie fatal es ist, wenn Gesinnung wichtiger wird als Meinung.

Dein Blog wird mir fehlen, insbesondere wegen der wohltuend fundierten und unaufgeregten Kritik, die ich immer auch als moralische Stütze empfunden habe. Ich kann natürlich gut verstehen, dass man auf dumpfe Angriffe keinen Nerv hat, ich finde es ohnehin bewundernswert, dass Du Dich in all der Zeit nie hast von Deiner differenzierten Haltung abbringen lassen. Ich äußere mich ja in meinem Umfeld auch zu männerrelevanten Themen, und, ehrlich gesagt, ich bin bei den Plattitüden, Unterstellungen und Projektionen, die einem gelegentlich entgegenschlagen, schneller erschöpft.


Und auch am 6. September gab es noch Feedback:

Jetzt ist man mal ein paar Wochen nicht auf Ihrer Blogseite und dann schließen Sie auch diese letzte Bastion breit angelegter Meinungsschau – schade! Ihre Gründe kann ich allerdings verstehen – schön, dass Sie sich soviel Zeit genommen haben, Ihren Entschluß zu begründen.

Es frustriert mich sehr zu lesen, wie die Männerbewegung, wenn schon nicht personell unterwandert, so doch im Internet diskreditiert wird durch rechte Schreiberlinge. Es wäre so wichtig, dass als „konservativ“ verschriene Positionen auf der linken Seite wahrgenommen werden, genau wie umgekehrt! Mein halber Freundeskreis ist sozusagen „weit links“ angesiedelt und ich weiß wie zerstörerisch die Nähe zu „von rechts“ mißbrauchten Positionen für die Wahrnehmung einer Bewegung dort sein kann und wird. Das müsste nicht sein.

Ich kann perönlich nachfühlen wie anstrengend es für Sie gewesen sein muss, sich durch die Einnahme der mittleren Position, die alle Aspekte eines Themas im Blick behalten und diskutieren will, letzlich effektiv ins Kreuzfeuer zu platzieren.

Ich danke Ihnen, dass Sie dieses unübersichtliche Thema für viele Mitleser, so wie wie mich, aufbereitet und im Ansatz verstehbar gemacht haben.

Alles Gute für ihre nächsten Projekte, vielleicht ist ja mal wieder ein Blog dabei :-)


Zuletzt: Am 14. September 2011 informierte eine zeitgleich in der "Berliner Zeitung" und dem "Kölner Stadt-Anzeiger" veröffentlichte, umfassende Titelgeschichte der Frankfurter Rundschau über die Volksverhetzung auf "Politically Incorrect", dem Lieblingsblog des Betreibers der "Söhne von Perseus" (IGAF). Auszüge aus diesem Artikel:

Unter den Dokumenten, die der Frankfurter Rundschau vorliegen, befinden sich mal mehr, mal weniger intensive Korrespondenzen mit etlichen Organisationen und Privatpersonen. Darunter hierzulande sattsam bekannte „Islamkritiker“ wie Ralph Giordano oder Henryk M. Broder – was seltsam ist: Bestreitet Broder doch eine Nähe zu „Politically Incorrect“.

(...) Gegen Islamversteher und alle so genannten Gutmenschen, so Mannheimer, sei „die Inkraftsetzung und schonungslose Anwendung des Widerstandsrechts“ legitim – inklusive des bewaffneten Kampfes.

(...) Herres damaliger Anwalt entwarf daher bereits im Frühjahr 2010 ein Gründungskonzept für einen PI-Verein, dessen Satzung jedes einzelne Mitglied abzeichnen müsste. Es sei von Vorteil, so der Jurist, wenn jede PI-Gruppe eigenverantwortlich handeln und lediglich die Namens- und Markenrechte von PI erhalten würde. Rockerbanden wie die Hell’s Angels und Bandidos machten das auch so: „Wird eine Ortsgruppe als kriminelle Vereinigung verboten, bleiben die anderen weiter erlaubt … Davon kann man lernen.“


Dieser Artikel führte endlich zu den lange Zeit überfälligen Reaktionen deutscher Politiker. Auch über Henryk Broders Verstrickungen mit dieser Szene wird immer mehr bekannt.

Die Verstrickung von Teilen der Männerbewegung mit dieser Szene dürfte ihr allerdings noch lange Zeit anhaften wie Scheiße am Schuh. Dieses Blog hier aber hat sein primäres Ziel erreicht: auf die grassierenden Auswüchse der Männerdiskriminierung ebenso aufmerksam zu machen wie auf die grassierenden Auswüchse der Islamophobie. Beide Problemfelder sind in den letzten Jahren vom Nicht-Thema zum Thema geworden. Da ich daran intensiv mitgewirkt habe, betrachte ich diese Entwicklung auch als persönlichen Erfolg.