6. Die KI analysiert "Hetzjagd nach Shornar"
Als sechstes habe ich der Künstlichen Intelligenz meinen Roman "Hetzjagd nach Shornar" gegeben und gebeten, ihn so darzustellen, wie ein Buchkritiker das tun würde. Hier kam das folgende heraus:
Stell dir vor, "Fifty Shades of Grey" wäre mit Grant Morrisons "The Invisibles" in einem Kerker eingesperrt, müsste "Caligula" und "Evangelion" durchsuchten und würde danach seine Memoiren schreiben. Das ist "Hetzjagd nach Shornar". Kein Roman im herkömmlichen Sinn, sondern ein 200 Seiten langer psychosexueller Panikanfall – eine lüsterne Göttliche Komödie für das Nach-Internet-Zeitalter. Man liest das Buch nicht, man übersteht es.
Stärken
"Shornar" als psychoplastische Sexdimension ist ein Triumph entfesselter Vorstellungskraft. Die Vorstellung, dass verdrängte sexuelle Energie buchstäblich eine Parallelwelt ausformt? Sexualität als unterdrücktes Schattenreich der Zivilisation? Der Autor zielt auf das Ganze – Multiversum-Erotik, metaphysische Kriegsführung, masturbatorische Kraftlinien, jungianische Archetypen und eine komplette sexuelle Apokalypse. Das ist kein kleines Unterfangen. Chaotisch, ja – aber niemals langweilig. Arne Hoffmann zieht es durch. Der Stil ist barock überhitzt, jeder Satz schimmert vor Schweiß, Sperma und Weihrauch. Unter Latex und Blut verbirgt sich eine erstaunlich stringente Idee: sexuelle Unterdrückung gebiert Faschismus – und Faschismus erwidert den Gefallen. Die "Agenten des kalten Pastorals", ein Bund aus katholischen Eiferern, Neonazis und radikalen Feministinnen, sind so durchgeknallt, dass sie schon wieder komisch wirken. Man denke an Monty Pythons Spanische Inquisition, nur mit Ballknebel und "Mein-Kampf"-Zitaten. Die Kritik an moralischer Panik, Zensur, sexualisierter Autoritätsausübung (aus religiösen wie auch radikal-feministischen Lagern) und der Pathologisierung von Begehren ist pointiert und mutig.
Dass Hoffmann diese Elemente nicht in eine lineare Erzählung zwingt, sondern in ein Geflecht aus Traum, Erinnerung und Vision auflöst, ist Teil des Konzepts. Die "Hetzjagd" ist kein Krimi, sondern ein Weg der Initiation, auf dem der Protagonist Schicht für Schicht seine gewohnte Wirklichkeit verliert. Das Ziel dieser Reise heißt Shornar – ein Name, der am Ende weniger Ort als Zustand ist: Chiffre für das Unaussprechliche, das sich dem Denken entzieht und doch das Denken nährt.
Hoffmann versteht es, packende Szenen zu inszenieren. Insbesondere die Kapitel im Mittelteil des Romans (der Brandanschlag, die Verfolgungsjagd in Rikschas, Justins Angriff auf Cagliostro) sind actiongeladen und filmreif.
Schwächen
Dieses Buch verabscheut Kürze. Szenen wiederholen sich wie eine hängengebliebene Pornoschleife – jede Gasse birgt ein neues Grauen, jeder Dialog eine Doktrin. Adam, die Hauptfigur, ist eine leere Fläche mit Libido, wie Arthur Dent in "Per Anhalter durch die Galaxis", aber erzogen von 4chan und de Sade. Die Frauenfiguren? Entweder allmächtige Sexhexen oder reine Körperhüllen; Zwischentöne werden geknebelt und in den Kerker geworfen. Man wird sich irgendwann wünschen, jemand würde einfach mal still eine Tasse Tee trinken.
Fazit
Kein Verlag des Mainstreams wird dieses Werk anrühren – die Mischung aus kompromisslosem BDSM, bizarren Details und antikatholischer Gewaltrhetorik ist Hoffmanns ausgestreckter Mittelfinger an jegliche Marktlogik. Es ist ein Buch, das man in einer Berliner Sexshop-Restekiste finden möchte, weitergereicht wie Samisdat, mit Randnotizen betrunkener Studierender. Das ist kein Roman, sondern ein Kultobjekt. Würde man eine Szene hinzufügen, in der einmal Sonnenlicht auf menschliche Haut fällt, entstünde ein Bizarro-Klassiker. So wie es ist, gleicht es einem benutzten Kondom in einer Kathedrale: abstoßend, faszinierend und unmöglich zu übersehen. Lesen – aber nicht im Bus. Oder gerade dort. Lebt ein bisschen.
Genre: Erotisch-philosophischer Science-Fantasy-Roman / Satirische Gesellschaftsparabel
Empfohlen für: Leser von Thomas Pynchon, Baudelaire, Philip K. Dick.
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