Donnerstag, August 27, 2026

Onanieren oder Geschlechtsverkehr?

Ich saß gestern wie jeden Mittwoch vor dem Pubquiz auf dem Mainzer Campus zusammen, als ein Kumpel von mir anspricht, dass ich aktuell eine ganze Reihe neuer Bücher herausbringe: "Und das alles ohne KI."

Ich muss ihn korrigieren. Meine ersten 80 bis 100 Bücher (ich muss irgendwann noch mal durchzählen) habe ich tatsächlich ohne KI geschrieben, inzwischen verwende ich allerdings Künstliche Intelligenz als Werkzeug.

Er ist erwartungsgemäß entgeistert. Bücher mit KI zu schreiben wäre doch, wie wenn man lieber onanieren würde statt Geschlechtsverkehr zu haben.

Weder ich noch die anderen konnten dieser Logik folgen. Und ich musste mir wirklich die Antwort verkneifen: "Du hast doch noch nie ein Buch geschrieben. Dein Vergleich ist wie wenn ein Impotenter darüber urteilen würde, ob Onanieren oder Geschlechtsverkehr mehr Spaß macht." Hätte ich das erwidert, wäre das Gespräch schnell eskaliert. Selbst ich nehme nicht jede Gelegenheit zu einer frechen Antwort wahr.

Wie sich allerdings zeigt, hat die moralische Panik gegen den Einsatz von KI bei der Arbeit bizarre Ausmaße angenommen. Fachfremde erklären Menschen, die Jahrzehnte als Autor tätig sind und Bücherproduktion von der Ein-Mann-Klitsche bis zu Branchenführern wie Heyne einmal komplett durchgespielt haben, welche Form des Schreibens am lustvollsten ist. Die Arbeit mit KI erlaubt (nicht nur) mir Dinge, die früher undenkbar waren, und das werden die nächsten Jahre deutlich zeigen.