Samstag, Februar 17, 2007

Vonnahme antwortet auf Brumlik: „Als moralische Instanz ins Abseits gestellt“

Peter Vonnahme gibt in der aktuellen „Frankfurter Rundschau“ eine Replik auf Micha Brumlik - Thema ist eine umstrittene historische Verpflichtung Deutschlands auch gegenüber den Palästinensern. Vonnahmes Gegenrede beginnt so:

Es gibt manchmal Äußerungen, die auf dem hohen Ross der Wissenschaftlichkeit daherkommen, jedoch bei genauer Betrachtung nur Polemik sind. Dass so etwas auch honorigen Wissenschaftlern passieren kann, beweist Prof. Brumlik mit seinem Aufsatz. "Wie der Bau der Bagdad-Bahn", dokumentiert in der FR vom 7. Februar. Wer vorgibt, das "Manifest der 25" (zu den besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel) und meinen Beitrag "Die janusköpfige Verpflichtung" gelesen (und verstanden!) zu haben und gleichwohl die Autoren dieser Schriften in die Nähe eines eliminatorischen Antisemitismus rückt (Brumlik: "1942 war Deutschland schon einmal dabei, …Palästina von den Juden zu befreien - die Gaswagenkommandos standen … schon bereit"; "wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde"), der hat sich als politischer Kopf und als moralische Instanz ins Abseits gestellt. Die Herstellung einer solchen Assoziation wird weder durch die kritisierten Texte noch durch die Biografien der Autoren gedeckt, sie ist schlicht und einfach unredlich. Wollte man Brumlik genauso rüpelhaft entgegnen, wie er die Autoren der genannten Schriften angegangen ist, dann müsste man ihn verdächtigen, die Entrechtung und Demütigung des palästinensischen Volkes zu billigen, weil sich in seinem langen Aufsatz kein bedauerndes Wort zu dieser Tragödie findet. Eine solche Schlussfolgerung hätte eine vergleichbare Qualität wie Brumliks Schmähkritik. Deshalb verbietet sie sich.


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Dienstag, Februar 06, 2007

England: Juden für Meinungsfreiheit

Wenn man in Deutschland einen bekannten Juden kritisiert, auch wenn dieser noch so verwerflich argumentiert und handelt, fängt man sich schnell den Vorwurf des Antisemitismus ein. Großbritannien ist hier inzwischen einen Schritt weiter: Dort hat sich gerade eine große Zahl jüdischer Prominenter zusammengeschlossen, um dem Eindruck entgegenzuwirken, sämtliche britischen Juden stünden geschlossen hinter dem Vorgehen der israelischen Regierung. Hierzulande berichtet die FAZ darüber, aber deren Beitrag kann man nur gegen Cash online lesen. Glücklicherweise hilft die Haaretz aus:

The 130 signatories to Independent Jewish Voices' declaration include playwright Harold Pinter, actor and director Stephen Fry, film director Mike Leigh and fashion designer Nicole Farhi.

"We wanted to create an atmosphere where people don't feel they will be accused of disloyalty, of anti-Semitism, or breaking ranks," said Jacqueline Rose, one of the group's founders, "and we wanted to appeal to the Jewish tradition of upholding human rights."

Fry, who has made little comment on Jewish issues until now, voiced his support by saying: "I am proud to lend my name to a free-thinking group like this."

The group's founding principles include fighting racism in general, including anti-Semitism, Islamophobia and Arab hatred.


Hört sich nach einer Gruppierung an, die zu einhundert Prozent die Ansichten teilt, die ich in diesem Blog vertrete.

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Montag, Januar 29, 2007

„Ahmadinejad ist menschliches Tier“ ...

... und „alle Terroristen sind Muslime“: Israels Vatikan-Botschafter dreht gerade ein bisschen am Rad. Eine bezeichnende Meldung mit den passenden Kommentaren.

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Sonntag, Januar 14, 2007

Offener Brief an Amazon

Offener Brief an Amazon

Dieses Fundstück halte ich für nicht ganz uninteressant:

Please read, sign and circulate
To: Jeff Bezos, CEO, Amazon.com

As longtime Amazon customers, we are deeply disturbed by your treatment of Jimmy Carter's important new book, Palestine: Peace Not Apartheid.

Under the "Editorial Reviews" heading - a space normally used either for the publisher's own description of a book, or for short, even-handed summaries from listing services such as Booklist and Publishers Weekly - you insist on running the complete, 20-paragraph, 1,636-word text of a review unabashedly hostile to Carter's viewpoint. You have refused to add information shoppers should have in evaluating this review: the fact that the reviewer, Jeffrey Goldberg, is a citizen of Israel as well as the United States, and that he volunteered to serve in the Israeli Defense Forces, for which he worked as a guard at a prison for Palestinian detainees. And you have refused to balance his negative review by giving comparable space to a favorable assessment of the book, even though positive reviews by qualified experts have appeared in many reputable publications.

Because giving so much space in this location to such a negative review is so unusual - if not unprecedented - for Amazon, and because you have refused requests from many customers that you take a more balanced approach, we can only conclude that you are deliberately trying to discourage shoppers from ordering the former President's book.

This is contrary to Amazon's own interests as a bookseller. More important, it's also contrary to the interests of understanding, peace, and justice for all parties to the Israel/Palestine conflict

We are not interested in supporting a corporation that uses its power in the marketplace in such a biased and unconstructive way on such an important issue.

Accordingly, if you do not, by Jan. 22, remove the Goldberg review, move it to the more appropriate "See all Editorial Reviews" page, or restore a semblance of balance by giving comparable space and prominence to a more positive evaluation of Palestine: Peace Not Apartheid, we the undersigned pledge to:

1. Stop shopping at Amazon.com;

2. Completely close our accounts on your service; and

3. Encourage our friends, family, and associates to do likewise.

Sincerely,
The Undersigned


Bis dato 3404 Unterschriften.

Ich blogge diesen Text weniger, um diese Petition zu unterstützen, sondern weil er gut zu früheren Blogeinträgen passt, die darauf hindeuten, dass Amazon immer mehr zum Schauplatz politischer Auseinandersetzungen wird. Dem Verkauf von Carters Buch tut Goldbergs Verriss aber anscheinend keinen Abbruch; zum jetzigen Zeitpunkt steht es auf Platz 5 der US-Amazon-Charts.

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Donnerstag, Januar 11, 2007

„Es ist meine Konsequenz aus dem Holocaust“

Ich glaube, dass die EU mehr Druck auf Israel ausüben sollte, damit es sich an die Menschenrechtskonvention hält. Man sollte sich nicht davon einschüchtern lassen, dass Israel diejenigen, die Kritik üben, als Antisemiten bezeichnet. Im Gegenteil: Ich kann mir nicht vorstellen, dass man gegen Antisemitismus kämpfen und zugleich die Unterdrückung eines anderen Volkes bejahen kann.


Die israelische Menschenrechtsaktivistin Roni Hammermann im Interview mit der taz.

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Montag, Januar 08, 2007

Diese Ayatollahs schrecken vor nichts zurück!

Die Bedrohung durch die Mullahs wird immer beängstigender:

Iran droht Israel mit Vergeltung

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Samstag, Januar 06, 2007

Jimmy Carter: Schluss mit der Apartheid in Israel!

Die taz berichtet:

Expräsident Jimmy Carter hat ein Buch über den israelisch-palästinensischen Konflikt geschrieben, in dem er die Zwangstrennung in den besetzten Gebieten mit der Apartheidpolitik Südafrikas vergleicht. Darüber ist ein Streit entbrannt, der den jüdischen Einfluss in den USA thematisiert


„Jüdischer Einfluss in den USA“? Ich ahne schon, an welche Zeitung der nächste Antisemitismusvorwurf geht.

In dem Getöse wird Carter - immerhin der erste US-Bundespolitiker, der sich 1970 gegen die Rassentrennung aussprach, der seit 2002 Träger des Friedensnobelpreises ist und zudem der Architekt des ersten Friedensabkommens im Nahen Ostens war - nun öffentlich als Rassist und Antisemit beschimpft.


Klar. Du kritisierst Apartheid, und du bekommst Beifall. Du kritisierst Apartheid in Israel, und du bekommst Ärger.

Damit greift Carter auf eine Definition von Apartheid zurück, der sich schon Südafrikas Präsident Nelson Mandela, Bischof Desmond Tutu und andere im Hinblick auf die Palästinenser bedient haben, sekundiert die Politologin Phyllis Bennis vom Washingtoner Institute for Policy Studies. Bennis führt zudem aus, dass die UN bereits 1973 ein entsprechendes internationales Abkommen gegen "Verbrechen der Apartheid" verabschiedet hätten, um sicherzustellen, dass das System der Unterdrückung und Diskriminierung einer Gruppe durch eine andere überall auf der Welt illegal sei. Überhaupt geht Carter, der mit seinem Buch "Fakten präsentieren" wollte, die in den USA "nie in den Presseberichten auftauchen", in seiner Kritik nicht über das hinaus, was seinerzeit von Israels Premier Jitzhak Rabin oder von israelischen Historikern öffentlich eingeräumt wurde, nämlich die staatliche Diskriminierung israelischer Araber und Palästinenser sowie ethnische Säuberungen bei der Gründung des Staates Israel.


Ethnische Säuberungen? Hui. Da seh ich doch schon bei einigen Leuten den Schaum vor dem Mund stehen.

Der Artikel geht weiter mit einigen interessanten Beobachtungen über den Versuch, ein Meinungstabu zu errichten – und dessen Scheitern. Lesenswert. Ich freue mich schon auf eine deutsche Übersetzung von Carters Buch. Dann wird von Leuten, die nicht einmal träumen dürften, in derselben Liga wie Carter zu spielen, einiges Getöse zu hören sein.

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